Nachdem ich entgegen meiner Erwartungen den ersten Teil der *50 Shades Trilogy* sehr genossen habe, konnte ich mich nur mit Müh und Not dazu zwingen, den zweiten Teil zu Ende zu lesen. An dieser Stelle würde ich ja gerne eine knappe Inhaltsangabe bieten, aber das ist bei einem derart handlungsarmen Buch einfach nicht möglich. Teil 1 endete mit einem höchst dramatischen Cliffhanger, der allerdings in der Fortsetzung sehr rasch und sehr fade aufgelöst wird: Christian und Ana kommen ratz-fatz wieder zusammen und beginnen eine Beziehung, die bald das frühere "verboten-erotische" Knistern vermissen lässt. Christians BDSM-Vorlieben werden hier - sehr ärgerlich! - als Ausdruck seiner seelischen Zerquältheit beschrieben, und da die Liebe bekanntlich über alles Böse siegt, wird Mr Grey durch Anas wundersamen Einfluss "gebessert": Was dabei herauskommt, ist ein weichgekochtes, weinerliches Männlein, das der Meinung ist, wahre Liebe nicht zu verdienen, und sich deshalb umso verzweifelter an die Frau an seiner Seite klammert. Stöhn! Ich hatte ja Einiges vom zweiten Teil dieser Trilogie erwartet, aber dass die Story derart hausbacken und schnulzig sein würde, hätte ich wirklich nicht gedacht.
Eine kleine Kostprobe gefällig?
Ana: "You're very easy to love. Don't you see that?"
"No, baby, I don't."
"You are. And I do and so does your family (...) You are worthy."
"Stop." He puts his finger over my lips and shakes his head, an agonized expression on his face. "I can't hear this. I'm nothing, Anastasia. I'm a husk of a man. I don't have a heart."
"Yes, you do. And I want it, all of it. You're a good man, Christian, a really good man (...)" (S. 195)
Und so geht es weiter und weiter. Das ist überhaupt die größte Schwäche des Romans: die unendlich vielen Wiederholungen! Es gibt ganze Sätze, die genau so oder ganz ähnlich mehrmals in dem Buch auftauchen, und die Personen scheinen immer wieder dieselben Dialoge zu führen ("Verlass mich nicht!" "Nein, niemals!" "Ich habe dich gar nicht verdient!" "Doch, hast du, du bist so toll!" "Und du bist so schön!" "Nein, bin ich nicht ..." - mit wechselnden Rollen).
Noch dazu wollte mir einfach nicht einleuchten, worauf sich diese unendlich starke Liebe eigentlich stützen sollte. Etwa darauf, dass beide so wunderschön sind (wobei Ana, obwohl sie mit Komplimenten überschüttet wird, immer noch glaubt, eine graue Maus zu sein)? Oder auf ihre extravaganten Unternehmungen? Die Rolle, die Christians Reichtum in der Geschichte spielt, hat mich sowieso irgendwann ziemlich gestört. Klar ist es romantisch, wenn dir dein Freund ein tolles Auto oder ein riesiges Haus kauft, wenn er mit dir Ausflüge mit seiner Yacht oder seinem Hubschrauber macht und wenn er dich auf einen unglaublich prunkvollen Wohltätigkeitsball mitnimmt. Ist aber auch wieder nichts Besonderes, wenn man bedenkt, dass Christian ungefähr hunderttausend Dollar die Stunde verdient (!!) Ich hätte mir gewünscht, dass die beiden auch mal etwas ganz Normales miteinander unternehmen (und dabei nicht immer wieder denselben Dialog führen), damit man erkennt, dass sie sich auch als "Normalsterbliche" in einander verliebt hätten. Aber so hat mich ihre Beziehung einfach nicht wirklich überzeugt, und die Sexszenen (ebenfalls recht fade, nachdem man den ersten Teil gelesen hat) machen das auch nicht wieder wett.
Zum Schluss möchte ich noch betonen, dass die Geschichte meiner Meinung nach wirklich das Zeug dazu gehabt hätte, wieder so unterhaltsam zu werden wie *Fifty Shades of Grey*. Die Autorin hat sich offensichtlich bemüht, Spannung hineinzubringen: Es gab ein paar Einblicke in Christians verletzte Psyche, außerdem eine sich einmischende Ex-Geliebte, eine verrückte Stalkerin, einen schmierigen Boss und Eifersuchtsattacken sowohl auf Christians als auch auf Anas Seite. Leider verkamen diese Probleme neben dem ständigen Rumgesülze der ach so Verliebten zu bloßen Nebenhandlungssträngen, die auch alle bis auf einen sehr lahm aufgelöst wurden. Das eine, noch ungelöste Problem bildet einen lieblos an die eigentlich abgeschlossene Geschichte gehängten Cliffhanger, der zum Kauf des dritten Bandes verführen soll. Sonderlich verführerisch empfinde ich das aber - so wie den restlichen Roman - leider nicht.