Inspiriert von einer hymnischen Spiegel-Besprechung habe ich mir dieses Buch gekauft. Erster Eindruck: ein schöner Einband, ein viel versprechender Titel, ein nettes Foto. Doch dann hat mich der Inhalt maßlos enttäuscht. Und dies liegt, auf einen Nenner gebracht, an dem immergleichen: der Eitelkeit des Autors.
Diese drückt sich in einer verschwurbelten Sprache aus, in nicht enden wollenden Sätzen, im überreichlichen Gebrauch von seltenen Fremdwörtern. Und als wäre das noch nicht kompliziert genug, öffnet Stephan Wackwitz eine Klammer nach der anderen, von denen jede einzelne einen weiteren Hinweis auf noch mehr Pfade und Wendungen und Anspielungen und Geistesgeschichte und Fremdwörter und und und enthält, bis einem ganz schwindlig wird vor soviel suggerierter Eloquenz und hingeworfenem Weltwissen... Ach, unter uns Lateinern sollte das doch kein Problem sein, schreit einem der Autor förmlich entgegen. Da wird die 5th Avenue zum Vorwand für einen wilden Ritt durch die private und politische Geschichte. Dem Buch fehlt dafür völlig die Struktur. Und dem Autoren leider die Kunstfertigkeit, Komplexes in einfachen Sätzen ausdrücken. Ich hätte mir unbedingt ein straffes Lektorat gewünscht.
"Spaziergänge durch das letzte Jahrhundert" - ein hoher Anspruch. Hier wurde er nicht umgesetzt. Durch New Yorks 5th Avenue bummeln kann man mit dem Buch auch nicht. Deshalb leider nur einen Stern. Schade!