Spartanisch, kraftvoll, eindringlich – puristischer weißer Blues mit mächtiger Stimme. Man vergisst immer viel zu schnell, wie laut und energisch ein Banjo und ein vielleicht dazu auf dem Holzboden stampfender Fuß sein können. Bis einem dann mal wieder William Elliott Whitmore unterkommt, der kleine, bis zum Hals tätowierte Mann mit – eben – dem Banjo und einer Stimme, die man nach dem Hören noch eine ganze Weile mit sich herumträgt, so durchdringend ist sie. Es ist natürlich dieses wirkmächtige Organ, das die Songs trägt, auf diesem sechsten Album wieder fast im Alleingang, begleitet gerade mal vom Banjo oder einer Akustikgitarre. William Elliott Whitmore – „Field Song“ (live) „Let’s go to the field, we’re gonna do some work. Spend our day digging in the dirt.“, heißt es im Titeltrack, man kann den sehr vereinfachenden Genre-Begriff Country hier gleich im Wortsinne verwenden. Auch, wenn in jedem der acht Songs ein gehöriges Stück Farmer-Herz mitschwingt (Whitmores Familie besitzt tatsächlich eine Farm irgendwo am Mississippi), ist das weit entfernt von jeder romantischen Vergangenheitsverklärung oder Rührseligkeit. Zu tief rührt Whitmore dafür auch diesmal wieder in den Abgründen von Seele und Leben, zu sehr zehrt diese Musik von den tief ins Bewusstsein Amerikas eingegrabenen Leidenserfahrungen der großen Depression, als in wenigen Jahren aus stolzen Farmern bettelnde Tagelöhner wurden: „I see darkness in my time but the sun is gonna shine“. Es ist die weiße Blues-Musik, extrem spartanisch agierender Bluegrass, der direkt an die Tradition eines enorm kraftvollen (schwarzen) Leadbelly und die Volksverbundenheit eines Woody Guthrie anschließt. Niemand kann das besser als William Elliot Whitmore, niemandem folgt man lieber auf dem schmalen Pfad zwischen Verzweiflung und Trost.