Wer ihn noch nicht richtig kannte, der lernt ihn hier kennen. Klaus Kinski in seiner eigentlichen Art. Als Schauspieler, immer prallvoll, was sag ich, vollgepackt mit dem, was man diskret "er hat so was ich, weiß nicht was", so arg voller Dampf, unter Hochdruck immer, den er- und das konnte er auch- urplötzlich abließ und damit alles aufeinmal stoppte, um dann wie hinter einem Schirm unter entschuldigendem "verzeihen Sie, Madame" zu verschwinden, ganz langsam wie eine Flamme, die sich verschämt und still verlöschend verabschiedet. Hier aber, in seinem posthum erschienenen Buch wird er ganz offenbar. Hier öffnet er sich, vor allem in seinen Jugendgedichten. Ob nun die abenteuerliche Sache mit dem ausgeraubten Koffer stimmt oder nicht, das spielt hier und jetzt keine Rolle mehr, ist nur ein Stückchen schöner Geschichte. Was zählt, sind seine Texte, und die habens, weiß Gott, in sich.
Gestählt, natürlich als Schauspieler und wohl schon als junger Knabe an dem, was wir Schönheit, Musik oder Ästhetik nennen, kommt er davon zeitlebens nicht mehr los. Klassisches Metrum, erinnernd nicht nur an Villon oder Rimbaud, auch an Baudelaire oder gar Nietzsche, ganz bestimmt aber an Shakespeare, durchzieht seine wunderbaren Texte. Allein die FIEBER-Texte, also die, die dem Buch den Titel geben, irritieren einwenig, zeigen ihn so, wie wir ihn in Erinnerung haben, irritierendes Irrlicht dieser unserer Welt. Und noch etwas wird offenbar, nämlich die innere Zerrissenheit, die sich an Gott reibt, also eine Folge unserer (christlichen!) Erziehung(?), so will ich das mal ausdrücken. Als Warnung an alle verstanden, die sich immer noch ein Bild von Gott machen wollen. D a s geht nicht. Aber nun weiter im Text.
Ganz erstaunlich, schon beim Einlesen in die Texte, nimmt einen die eigene Musik, der eigene Ton gefangen, ein Zeichen genuiner Arbeit, die aus der Tiefe kommt und Kinski sagte auch einmal, er könne manchmal schreiben ohne aufzuhören, es flösse nur so aus ihm heraus.Die Gedichte eignen sich unglaublich gut zum Vortragen und ich werde sie deshalb gerne in meine Lesungen einbauen.
Zu danken ist Thomas Harlan für seine Einleitung und Kurzbiografie, ohne sie wäre vieles nicht verstehbar. Peter Geyer aber hat dieses Manuskript FIEBER und einiges mehr dazu ersteigert, eine Angelegenheit, die nicht hoch genug einzuschätzen ist (und noch sein wird). Dem Eichborn- Verlag ist ein perfektes Buch gelungen. Was gibt es noch? Ja, ganz wunderbare Bilder.
Die 5 Sterne reichen in diesem Falle nicht aus, eigentlich müßte ich mehr vergeben, aber daß sei mir wiederum vergeben und somit widme ich mich wieder dem, was wichtig ist, den Gedichten von Klaus Kinski.