Leicht zu lesen und spannend portraitiert Hagemann den ewigen Revolutionär. Durchaus kritisch, seine Fehler beschreibend, aber auch seine historischen Erfolge würdigend. Castros Entwicklung zum Revolutionsführer wird ausführlich und faktenreich dargestellt, damit nimmt die Zeit bis 1959 einen größeren Teil des Buches ein. Es ist auch nicht einfach, zu verstehen, wie der Sohn eines Großgrundbesitzers aus dem Osten Kubas, ausgebildet an einer Jesuiten-Eliteschule in Havanna, eine Karriere als erfolgreicher Anwalt vor Augen, sich für den Weg als Kämpfer für die Unterdrückten und gegen die herrschende Klasse entschieden hat. Die zahlreichen Einflüsse und Umstände, die wohl eine Rolle gespielt haben, werden gut dargestellt und begreifbar.
Castro gilt als jemand, der nicht verlieren kann, ob im Großen oder im Kleinen. Und wohl deshalb hat er auch nie aufgegeben, egal, wie aussichtslos die Lage erschien. Er ist ein ideologischer Pragmatiker, ausgestattet mit einem unerschütterlichen Überlebenswillen und der Bereitschaft, Macht anzuwenden und auszuüben. So gehen ihm im Lauf der Zeit zahlreiche Mitstreiter und Weggefährten verloren. Aber Gegner und Anhänger sind sich darüber einig: Castro ist ein Caudillo, ein Charismatiker im Sinne Max Webers. Bei allen seinen Kurswechseln, seinen Fehlentscheidungen, seinem Verrat an den Versprechen aus der Frühzeit der Revolution bleibt als positive Bilanz sein unermüdlicher Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen der einfachen Menschen Kubas, die Einrichtung eines umfassenden Bildungs- und Gesundheitssystems, die Verteidigung gegen die US-amerikanische Dominanz, die die meisten lateinamerikanischen Länder in Elend und Unterdrückung hält.
All diese Stationen und Wendungen in Castros Weg nachzuzeichnen gelingt Hagemann sehr gut.