Als "Bayerisches Sibirien" wird das Fichtelgebirge oft bezeichnet, weil der kalte Ostwind in die nach Nordosten geöffnete, hufeisenförmige Gebirgsformation einfällt. Eine raue Gegend und früher quasi das Ende der Welt, vom östlichen Nachbarn Tschechoslowakei und im Norden von der damaligen DDR abgetrennt, ist das Fichtelgebirge jetzt eine verwunschene Landschaft mitten in Europa.
Wer diesen Teil Oberfrankens noch nicht kennen gelernt hat, sollte es schleunigst nachholen - am besten wandernd, so wie viele Berühmtheiten, die im Lauf der letzten Jahrhunderte diese Gegend erkundeten: Alexander von Humboldt, Wilhelm Heinrich Wackenroder und natürlich Jean Paul, der eigentlich als Johann Paul Friedrich Richter in Wunsiedel geboren wurde und sich nach seinem großen Vorbild Jean-Jacques Rousseau benannte.
Wenn man sich also dazu entschließt, diese schöne Gegend zwischen Hof und Weiden zu erkunden, sollte man einen guten Wanderführer dabei haben, denn fernab jeglicher großstädtischer Hektik gilt es eine Menge zu entdecken.
Etwa das wunsiedler Felsenlabyrinth Luisenburg, das nach der Preußischen Königin Luise benannt wurde und gigantische Granitformationen beherbergt. Oder man kann einen der Mittelgebirgsgipfel erklimmen: Den 1024 Meter hohen Ochsenkopf, den Großen Waldstein oder die Kösseine südlich von Wunsiedel, über die nicht nur die Grenze zwischen Oberfranken und der Oberpfalz, sondern auch die europäische Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer verläuft. Wer es mondän mag, kann einen der Kurorte mit den Heilquellen besuchen - das tschechische Bäderdreieck liegt gleich nebenan. Von Hohenberg/Eger aus, kann man das mediterran wirkende Franzensbad innerhalb von 10 Minuten erreichen.
Norbert Forsch stellt im Kompass Wanderführer Fichtelgebirge 50 Routen vor, die durch den "Herzbrunnen Europas" führen, in dem die Quellen vom Weißen Main, der Sächsischen Saale, der Eger und der Fichtelnaab liegen.
21 einfache, 25 mittlere und 4 anspruchsvolle Wanderungen werden vorgestellt. Als Leser kann man sich sehr gut auf die bevorstehende Wanderung vorbereiten: Gehzeiten, Höhendiagramme, Ausflugsgaststätten mit Öffnungszeiten, Streckenverlauf und viele zusätzliche Informationen tragen dazu bei, dass man sich rasch orientieren und gut planen kann. Auch Museen, Schaubergwerke, Aussichtstürme u.v.m. werden erwähnt. Oft werden Lehrpfade zu bestimmten Themen in die Wanderung integriert.
Die einfachen und mittelschweren Strecken lassen sich auch gut mit Kindern erwandern. Die ersten 20 Seiten sind eine Einführung, etwa in "Küche und Keller", Geologie, Industrie, Flora und Fauna etc. Auch die Hauptausgangsorte Arzberg, Bad Alexandersbad, Bad Berneck, Bischofsgrün, Fichtelberg, Goldkronach, Hohenberg an der Eger, Kirchenlamitz, Marktredwitz, Selb, Tröstan, Warmensteinach, Weißenstadt und Wunsiedel sowie Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten werden kurz vorgestellt.
Der Wanderführer enthält zahlreiche Farbfotos und Kartenausschnitte, die schon einen guten Eindruck von dem vermitteln, was den Wanderer erwartet.
Fazit: Ein hervorragender, abwechslungsreicher Wanderführer, der uns das Fichtelgebirge, dieses romantisch-raue, durch Verwitterung und Vulkane geformte Mittelgebirge im Herzen Europas näher bringt. Ob Wochenendausflug oder Urlaub, dieser Wanderführer im praktischen Format lohnt sich auf alle Fälle!