Fünf Berliner Sänger erfinden sich neu.
Sich selbst, ihre Band und ein Stück weit auch das Genre.
So etwas ist immer auch ein Wagnis. Was sie eingingen, ohne es im Geringsten nötig zu haben: Seit
mehr als einem Jahrzehnt sind musix mit hoch gelobten Alben am Start, auf denen sie große Hits in
originelle A Cappella-Arrangements kleideten und auf vokalem High-End-Niveau zelebrieren. 2008
gewannen sie den A Cappella-Contest in der Sparte Pop Professionell , ein Jahr später holten sie mit
dem 1. Platz beim jährlichen vokal.total in Graz die europäische Krone und ließen sich mit dem 2.
Platz beim CARA Award San Francisco, dem unbestrittenen Grammy der A Cappella-Szene, nur noch
eine letzte Stufe zum Olymp.
Doch offenbar erschien es ihnen da oben ein wenig langweilig, trotz ihrer beachtlichen Karriere fühlen
sie sich zu jung für ein arriviertes Berufsmusikerleben. Und sie haben eine Menge zu erzählen.
Das tun sie jetzt mit eigenen Geschichten zu eigener Musik. Klar, auch das ist nicht neu. Natürlich
haben Männer-Gesangsgruppen hierzulande schon Hits zu eigenen Texten gehabt. Doch der Ansatz
von musix unterscheidet sich erheblich von dem Der Prinzen, Wise Guys und Co: Die Berliner
brechen bewusst aus dem sonnigen Klischee aus, um das A Cappella-Pop immer bemüht scheint, um
darin sanft seine vokalen Harmonien zu betten. Sie sind in Berlin-Friedrichshain groß geworden. Keine
Villengegend. Haben als Kids eisern ihre Stimmen geschult, als andere im Park Bingedrinking übten.
Sie wohnen immer noch im Kiez, sie wollen auch gar nicht anders. Davon erzählen ihre Lieder:
Urbaner Alltag statt heile Welt in lustig. Keine krasse Aggro-Kraftmeierei eher freundlich-poetische
Realitätssuche. Songs, die trotzdem nicht traurig sind, sondern Mut machen. Es gibt jede Menge
Humor auf Fhainkost , aber keinen biederen Frohsinn. Es gibt fette Sprüche auf Singalong-Refrains
und große, wunderbar lyrische Liebeslieder. Auch solche zu ihrer Stadt.
In punkto eingängige Melodien, schwelgerischem Wohlklang und Gewitztheit in den Arrangements
steht das neuen Album in keiner Weise seinen Vorgängern mit den Evergreens nach. Fhainkost ist
echte Feinkost für die Ohren und das wache Hirn.