Außenseiterin Maddy erlernt Runenzauber, öffnet ein Portal in die Unterwelt und erweckt damit aus Versehen uralte Prophezeiungen zum Leben.
Anfangs erscheint es etwas unpassend, dass ein kleines Mädchen munter mit altehrwürdigen "Göttern" plaudert, ihnen frech widerspricht und versucht, sie gegeneinander auszuspielen, aber je mehr man über ihren eigenen Hintergrund erfährt, desto stimmiger wird das Bild.
Deswegen empfehle ich den Verfassern der negativen Rezensionen, das Buch doch noch weiter zu lesen: Die Charaktere bleiben eben nicht zweidimesional gut oder böse. Wie in vielen mythologischen Geschichten erfüllt sich zum Schluss die Prophezeiung ganz anders, als erwartet: Täter werden zu Opfern, Helden zu Schurken, Menschen zu Göttern und umgekehrt... Es lohnt sich wirklich!
Ich habe schon Besseres gelesen, deswegen zwar keine 5, aber immerhin 4 verdiente Sterne für einen abwechslungsreichen Plot mit vielen überraschenden Wendungen, jede Menge Spannung bis zur letzten Seite und den originellen Genre-Mix aus Fantasy, Märchen und Heldenepos.
Man braucht sich nicht in der nordischen Mythologie auszukennen, um der Story folgen zu können, es hilft aber sicher ungemein, um den Überblick zu behalten. Die vielen verschiedenen Aspekte, Spitznamen und Attribute der verschiedenen Götter, haben mich als absolute Laie in nordischer Mythologie anfangs immer wieder verwirrt. Andererseits ist das Buch ein guter Einstieg in diese Thematik und macht Lust darauf, sich mit klassischen Werken wie der Edda beschäftigen.
Das englische Original "Runemarks" lässt sich mit etwas fortgeschritteneren Englisch-Kenntnissen (so Oberstufen-Niveau) gut bewältigen. Es ist sprachlich etwas anspruchsvoller als beispielsweise Harry Potter, aber nicht so schwierig wie Herr der Ringe auf Englisch.
Obwohl die Geschichte im Märchenstil erzählt wird und die Heldin noch relativ jung ist, würde ich das Buch nicht als Kinderbuch einstufen. Die Bezüge zur nordischen Mythologie und viele nicht unbedingt blutige, aber doch menschlich abgründige Szenen versteht man vermutlich erst als Jugendlicher oder Erwachsener.