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Feuervolk
 
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Feuervolk [Restexemplar] [Gebundene Ausgabe]

Joanne Harris , Katharina Orgaß , Gerald Jung
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Weltbestsellerin Joanne Harris mit ihrem ersten Jugendbuch. Und was für einem!" (Bild am Sonntag )

"Harris erzählt eine rasante Geschichte um Götter, Glaube, List und Verrat. (…) Bezaubernd!" (Lars Schiele / Nautilus )

"Eine Geschichte von beeindruckender Imaginationskraft." (BuchMarkt / Simone Leinkauf )

Kurzbeschreibung

High Fantasy von »Chocolat«-Weltbestsellerautorin Joanne Harris
Ich sehe einen Verräter an der Pforte. Der Namenlose ersteht wieder auf, so nicht die Sieben Schläfer erwachen und der Donnerer aus der Unterwelt befreit wird.
»Es war einmal ein Seher, der sagte das Ende aller Dinge voraus …« Der Namenlose kennt die Prophezeiung gut. Bereit stehen er und seine Gefolgschaft, um die Welt ins Nichts zu stürzen – und nur eine kann ihn aufhalten: die Nachfahrin des Feuervolks, das junge Mädchen mit dem mächtigen Feuermal.

Heiß brennt das Mal in Maddys Hand und unverbraucht ist seine Magie, als Maddy sich einsetzt, wozu den Alten des Feuervolks die Zauberkraft fehlt: Aus der Feuergrube des Geysirs befreit sie den allwissenden Flüsterer, das Orakel aus fast vergessenen Zeiten. Als Faustpfand im Kampf gegen den Namenlosen soll er ihr dienen. Doch List ist die zweite Natur des Flüsterers, und als Maddy seinen Einflüsterungen folgt, ahnt sie nicht, dass der Flüsterer viele Identitäten hat und seine ganz eigenen Pläne verfolgt …

Ein Epos von atemberaubender Imaginationskraft - hinreißend wortgewaltig und hintersinnig.

Klappentext

"Weltbestsellerin Joanne Harris mit ihrem ersten Jugendbuch. Und was für einem!"
Bild am Sonntag

"Harris erzählt eine rasante Geschichte um Götter, Glaube, List und Verrat. (...) Bezaubernd!"
Lars Schiele / Nautilus

"Eine Geschichte von beeindruckender Imaginationskraft."
BuchMarkt / Simone Leinkauf

Über den Autor

Joanne Harris, geboren 1964, wuchs in England auf, wo sie auch heute als Schriftstellerin lebt. Sie war zunächst Lehrerin und begann dann, Bücher zu schreiben. Ihr Roman "Chocolat" (verfilmt mit Juliette Binoche und Johnny Depp) wurde zum Weltbestseller. "Feuervolk" ist ihr erster Jugendroman.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Montagmorgen, sieben Uhr, fünfhundert Jahre nach dem Weltuntergang, und schon wieder hatten sich Kobolde im Keller zu schaffen gemacht. Mrs Scattergood, die Wirtin der Schänke Zu den Sieben Schläfern, behauptete steif und fest, es seien Ratten, aber Maddy Smith wusste Bescheid. Nur Kobolde konnten ein Loch in den Ziegelboden gebrochen haben, ganz abgesehen davon, dass Ratten, soweit Maddy wusste, kein Bier tranken.
Maddy wusste aber auch, dass man in Malbry, wie überall im Tal des Flusses Strond, über gewisse Dinge nicht sprach, und dazu gehörte alles, das verwunderlich, unheimlich oder auch nur »ungewöhnlich« war. »Fantasievoll« zu sein, war beinahe so schlimm wie »sich aufspielen«, sogar träumen galt als verwerflich und gefährlich. Denn mithilfe von Träumen (so stand es jedenfalls im Buch der Bücher) war das Sehergeschlecht dem Chaos entronnen, im Traum war die Macht des Fabelvolks ungebrochen und lauerte nur auf eine Gelegenheit, in die Welt zurückzukehren.
Darum gaben sich die Einwohner von Malbry allergrößte Mühe, auf gar keinen Fall zu träumen. Sie schliefen nicht auf Matratzen, sondern auf dem blanken Dielenboden, vermieden deftige Abendmahlzeiten, und was Gutenachtgeschichten anging … In Malbry erzählte man den Kindern entschieden öfter vom Martyrium des heiligen Sepulchrus oder von den jüngsten Läuterungen in Weltenende als irgendwelche Geschichten über Zauberei oder die Druntenwelt. Was nicht heißen soll, dass es keine Zauberei mehr gab. Tatsächlich war in Malbry in den letzten vierzehn Jahren auf die eine oder andere Weise mehr Zauberei aufgetreten als irgendwo sonst in der Mittelwelt.
Daran war Maddy schuld, ganz klar. Maddy Smith war eine Träumerin und hatte lauter alte Sagen (wenn nicht Schlimmeres) im Kopf, darum schob man es im Allgemeinen ihr in die Schuhe, wenn im Dorf etwas Unstatthaftes geschah. Wenn eine Bierflasche vom Wandbord fiel, wenn sich die Katze in den Milchladen schlich, wenn Adam Scattergood einen Stein nach einem Straßenköter warf und stattdessen eine Fensterscheibe traf – zehn zu eins, dass man Maddy dafür verantwortlich machte.
Und wenn sie sich verteidigte, sagten die Leute bloß, sie sei schon immer schwierig gewesen, die Pechsträhne des Dorfes habe mit ihrer Geburt begonnen und ein Kind wie die Kleine vom Schmied bringe nun mal Unglück – ein Kind mit einem rostbraunen Mal in der Handfläche …
… das manche alten Leute »Hexenmal« nannten und das nicht verschwinden wollte, wie gründlich man die Hand auch schrubbte.
Entweder lag es daran oder die Kobolde (auch das »Kleine Volk«, das »Fabelvolk« oder das »Feenvolk« genannt) waren schuld. Ihre Streiche beschränkten sich in jenem Sommer nicht mehr nur darauf, Keller zu plündern, sie klauten jetzt sogar schon Schafe und malten sie bisweilen blau an und veranstalteten überhaupt den übelsten Schabernack: deponierten Pferdeäpfel auf der Vortreppe zur Kirche, kippten Sodawasser in den Messwein, bis er sprudelte, und verwandelten in Joe Grocers Laden den Essig in den Steinguttöpfen mit den eingelegten Zwiebeln in Jauche.
Und da sich kaum jemand traute, sie auch nur zu erwähnen oder sich überhaupt einzugestehen, dass es sie tatsächlich gab, blieb es Maddy überlassen, sich allein und auf ihre Art mit dem Kroppzeug, das unterm Hügel lebte, herumzuschlagen.
Niemand wollte wissen, wie sie das eigentlich bewerkstelligte. Niemand sah ihr dabei zu. Und niemand nannte sie offen »Hexe« – abgesehen von Adam Scattergood, dem Sohn ihrer Dienstherrin, der eigentlich ein braver Junge war, aber ein rechtes Lästermaul sein konnte, wenn ihn der Hafer stach.
Wozu auch darüber reden? Das Runenmal sprach schließlich für sich.
Maddy betrachtete ihr rostbraunes Mal. Es sah aus wie eine Art Buchstabe oder Siegel, und manchmal leuchtete es schwach im Dunkeln, juckte oder brannte, als hätte sie etwas Heißes angefasst. Auch jetzt brannte es. Das war oft so, wenn das Kleine Volk in der Nähe war, als wartete etwas in Maddy ungeduldig darauf, sich endlich Bahn zu brechen.
In diesem Sommer, als es von Kobolden in noch nie da gewesener Zahl wimmelte, hatte sich das Mal öfter bemerkbar gemacht denn je. Die Kobolde zu bannen, linderte den Juckreiz. Ihre übrigen Fähigkeiten probierte Maddy größtenteils nicht einmal aus. Manchmal fiel ihr das ganz schön schwer. Es war so, als behauptete man, keinen Appetit zu haben, obwohl das Lieblingsessen vor einem auf dem Tisch stand. Aber Maddy hatte allen Grund, sich so zu verhalten.
Zauberformeln und Bannsprüche waren schlimm genug, aber Runenzauber, richtiger Runenzauber, war eine heikle Sache, und wenn man in der Einen Stadt in Weltenende davon erfuhr, dort wo die Ordensbrüder Tag und Nacht Das Wort studierten …
Denn Maddys größtes Geheimnis – in das nur ihr allerbester Freund eingeweiht war, der allgemein »Einauge« genannt wurde – war, dass ihr das Zaubern Vergnügen bereitete, ganz gleich wie verwerflich es sein mochte. Nicht nur das, sie glaubte, ein besonderes Händchen dafür zu haben, und sehnte sich wie jeder, der eine ausgefallene Begabung besitzt, davon Gebrauch zu machen und ihre Fähigkeiten anderen vorzuführen.
Aber das war ausgeschlossen. Man hätte ihr bestenfalls vorgeworfen, »sich aufzuspielen«.
Und schlimmstenfalls? So mancher war schon aufgrund geringerer Vergehen geläutert worden.
Maddy wandte sich wieder Mrs Scattergoods Kellerboden zu und dem großen Loch, das ihn verschandelte. Es war eindeutig der Eingang zu einem unterirdischen Koboldbau. Die Öffnung war größer als die von einer Fuchshöhle und am Rand unregelmäßig und in der ringsum verstreuten Erde waren noch die Abdrücke klauenbewehrter, schwieliger Füße zu erkennen. Der Schutt und die zerbrochenen Ziegel waren in einer Ecke aufgehäuft und notdürftig hinter einem Stapel leerer Bierfässchen versteckt. Maddy dachte belustigt, dass es eine ziemlich feuchtfröhliche Feier gewesen sein musste.
Den Bau wieder zuzuschütten, war nicht weiter schwierig. Schwieriger war wie immer, dafür zu sorgen, dass er auch verschlossen blieb. Ýr, der Beschützer, hatte bei der Versiegelung der Kirchentür seinen Zweck erfüllt, aber wenn es um Bier ging, waren Kobolde ausgesprochen hartnäckig, und ein einzelner Schutzzauber würde sie nicht lange fernhalten.
Na schön. Dann eben etwas Stärkeres.
Mit einem spitzen Stock ritzte Maddy zwei Runen in den festgestampften Lehmboden.
Mit Naudr, der Bindenden, müsste es klappen … dazu Úr, der Auerochs, gleich neben dem Loch.
Jetzt fehlte nur noch ein Funke.
Der Funke. Das war bei der ganzen Prozedur die einzige echte Zauberei. Jeder, der sich mit Runen auskannte – die letztendlich nur Buchstaben einer uralten Sprache waren –, konnte sie schreiben lernen. Entscheidend war aber, dass sie auch etwas bewirkten.
Anfangs hatte Maddy ihre Mühe damit gehabt, inzwischen war es so leicht, wie ein Streichholz anzuzünden. Sie rezitierte einen kurzen Zauberspruch … »Brennet auf…«
Die Buchstaben loderten flüchtig, dann glommen sie nur noch warnend. Die Kobolde konnten sie erkennen, so wie Maddy auch, für Mrs Scattergood dagegen, die Lesen verabscheute (weil sie es nicht beherrschte) und in deren Augen alle Zauberei Teufelswerk war, würden die Runen wie zufällige Kratzer auf dem Boden aussehen, und alle konnten wieder so tun, als wären die Kobolde einfach nur Ratten gewesen.
Da! Ein Scharren in der hintersten Kellerecke. Maddy drehte sich um und sah, wie etwas Größeres als eine gewöhnliche Ratte zwischen zwei Bierfässchen durchhuschte.
Sie stand flugs auf und hielt die Kerze so hoch, dass sie die Wand beschien. Jetzt war nichts mehr zu hören, nichts rührte sich mehr, nur die vom Kerzenschein belebten Schatten tanzten über die weiße Tünche.
Maddy trat näher und leuchtete in die Ecke. Dort regte sich immer noch nichts. Doch jedes Lebewesen hinterlässt Spuren – für den, der sie zu lesen weiß. Da war etwas, Maddy spürte es ganz deutlich. Sie...
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