Kurzbeschreibung
Nach Feuersteins Reisen und Feuersteins Ersatzbuch legt der aus Funk und Fernsehen bekannte "Kult-Moderator" (Literaturen) endlich sein drittes Reisebuch vor, das folgerichtig heißt: Feuersteins Drittes. Es bringt Hintergrundberichte zu seinen Reisen nach Birma,Thailand, New York und einer Kreuzfahrt durchs Eismeer - wie immer wortwitzig, skurril und mit einem Blick fürs Detail, der nur einem einzigen zu Eigen ist: Feuerstein nämlich.
Klappentext
»Das Buch ist köstlich.«
Elke Heidenreich -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Elke Heidenreich -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Über den Autor
Herbert Feuerstein ist bekannt als Partner von Harald Schmidt aus "Schmidteinander", durch seine "Reisen"- Sendungen und Bücher und als deutscher Herausgeber des MAD-Magazins.
Auszug aus Feuersteins Drittes von Herbert Feuerstein. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Hafen Hamburg. 25°, bewölkt; Barometer 1007
Sonnenaufgang 4:58, Sonnenuntergang 21:59
Natürlich, man mimt den Weltmann, den Coolen, den Lässigen,
man hat ja alles schon erlebt. Was soll an einer
Kreuzfahrt auf einem Luxusdampfer so Besonderes sein?
"Zum Cellpap", sagte ich deshalb am Hamburger Flughafen
locker und selbstverständlich zum Taxifahrer, und
meine Frau setzte die gleiche Huch-ist-das-langweilig-
Miene auf wie damals, als sie noch Studentin war und zum
ersten Mal die Treppe zum Jumbo-Oberdeck hochkletterte.
Ich gähnte und tat, als suchte ich was in der Tasche,
weil ich sicher war, dass er jetzt gleich in den Rückspiegel
schauen würde, um zu sehen, welcher Playboy aus dem
Hochadel seine Weltumsegelung antritt, bestimmt schon
die dritte in diesem Jahr. Stattdessen fragte er: "WOHIN?"
"Cellpap", wiederholte ich mit leicht irritiertem Nachdruck,
denn ein Hamburger Taxifahrer muss schließlich
wissen, wo die Traumschiffe dieser Welt auf die Reichen
und Schönen warten. "Nie gehört", meinte er, aber das
läge sicher daran, dass er erst seit 45 Jahren in dieser Gegend
Taxi fahre.
"Zum Cellpap-Pier", beharrte ich und ärgerte mich, weil
meine Stimme in solchen Fällen sofort an Festigkeit verliert
und weinerlich klingt. "Wir wollen auf ein Schiff." Ich
kramte jetzt tatsächlich in der Tasche und suchte den Umschlag
mit den Papieren. Und da stand es: "Boarding: Cellpap-
Pier."
"Ach, zum Schrotthafen wollen Sie", sagte der Taxifahrer
und blickte ausgerechnet in jenem Augenblick in den
Rückspiegel, in dem sich unsere Blicke trafen. Er zwin-
DAS LOGBUCH EINER KREUZFAHRT INS EISMEER 17
kerte mir kumpelhaft zu und nickte dann anerkennend:
"Davon habe ich auch immer geträumt, eine Weltreise auf
einem alten Frachter. Dauert bestimmt ein paar Monate
und kostet einen Pappenstiel, stimmt's? Na ja, bald bin ich
Rentner und dann mach ich das auch."
Was sollte ich sagen? Dass ich auf einem Nobelcruiser
für eine siebzehntägige Kreuzfahrt durchs Eismeer als
"Lecturer" engagiert war? Dass ich als Gegenleistung für
lumpige drei Lesungen ("von mindestens 45 Minuten",
wie es im Vertrag stand) eine Gratis-Luxusreise bekam, in
einer Größenordnung, für die Männer ihren Firmenanteil
verkaufen und Frauen ihre Männer beerben müssen?
Dass es meine allererste Kreuzfahrt war und ich das Meer
ebenso fürchte, wie ich es hasse? Dass aber meine Neugier
stärker war als meine Vernunft?
Ich sagte nichts, und meine Frau tat, als wäre sie eingeschlafen,
weil es ihr wieder mal peinlich war. Wie schnell
man doch vom Playboy zum Schrottsammler wird.
Sonnenaufgang 4:58, Sonnenuntergang 21:59
Natürlich, man mimt den Weltmann, den Coolen, den Lässigen,
man hat ja alles schon erlebt. Was soll an einer
Kreuzfahrt auf einem Luxusdampfer so Besonderes sein?
"Zum Cellpap", sagte ich deshalb am Hamburger Flughafen
locker und selbstverständlich zum Taxifahrer, und
meine Frau setzte die gleiche Huch-ist-das-langweilig-
Miene auf wie damals, als sie noch Studentin war und zum
ersten Mal die Treppe zum Jumbo-Oberdeck hochkletterte.
Ich gähnte und tat, als suchte ich was in der Tasche,
weil ich sicher war, dass er jetzt gleich in den Rückspiegel
schauen würde, um zu sehen, welcher Playboy aus dem
Hochadel seine Weltumsegelung antritt, bestimmt schon
die dritte in diesem Jahr. Stattdessen fragte er: "WOHIN?"
"Cellpap", wiederholte ich mit leicht irritiertem Nachdruck,
denn ein Hamburger Taxifahrer muss schließlich
wissen, wo die Traumschiffe dieser Welt auf die Reichen
und Schönen warten. "Nie gehört", meinte er, aber das
läge sicher daran, dass er erst seit 45 Jahren in dieser Gegend
Taxi fahre.
"Zum Cellpap-Pier", beharrte ich und ärgerte mich, weil
meine Stimme in solchen Fällen sofort an Festigkeit verliert
und weinerlich klingt. "Wir wollen auf ein Schiff." Ich
kramte jetzt tatsächlich in der Tasche und suchte den Umschlag
mit den Papieren. Und da stand es: "Boarding: Cellpap-
Pier."
"Ach, zum Schrotthafen wollen Sie", sagte der Taxifahrer
und blickte ausgerechnet in jenem Augenblick in den
Rückspiegel, in dem sich unsere Blicke trafen. Er zwin-
DAS LOGBUCH EINER KREUZFAHRT INS EISMEER 17
kerte mir kumpelhaft zu und nickte dann anerkennend:
"Davon habe ich auch immer geträumt, eine Weltreise auf
einem alten Frachter. Dauert bestimmt ein paar Monate
und kostet einen Pappenstiel, stimmt's? Na ja, bald bin ich
Rentner und dann mach ich das auch."
Was sollte ich sagen? Dass ich auf einem Nobelcruiser
für eine siebzehntägige Kreuzfahrt durchs Eismeer als
"Lecturer" engagiert war? Dass ich als Gegenleistung für
lumpige drei Lesungen ("von mindestens 45 Minuten",
wie es im Vertrag stand) eine Gratis-Luxusreise bekam, in
einer Größenordnung, für die Männer ihren Firmenanteil
verkaufen und Frauen ihre Männer beerben müssen?
Dass es meine allererste Kreuzfahrt war und ich das Meer
ebenso fürchte, wie ich es hasse? Dass aber meine Neugier
stärker war als meine Vernunft?
Ich sagte nichts, und meine Frau tat, als wäre sie eingeschlafen,
weil es ihr wieder mal peinlich war. Wie schnell
man doch vom Playboy zum Schrottsammler wird.