Feuerstürme ist der zweite Band einer Trilogie, die in Andreas Brandhorsts Kantaki-Universum spielt. Das erste Buch - "Feuervögel" - sollte man gelesen haben, um eine Chance zu haben die Hintergründe in diesem Buch zu verstehen.
Story:
23 Jahre nach dem phänomenalen Sieg über einen Superschwarm der Graken auf dem Planeten Millennia hat sich für die Allianzen Freier Welten nicht viel geändert: Zwar erfolgten keine weiteren Angriffe der Graken mehr, aber immer noch schwebt die drohende Niederlage wie ein Damoklesschwert über den wirtschaftlich ausgebluteten verbliebenen knapp 300 Welten. Millennia, der Planet des Tal-Telassi Ordens ist von den Soldaten der AFW besetzt worden, nachdem die Schuld der Tal-Telassi am Krieg öffentlich bekannt wurde. Unmut regt sich unter den Schwestern des Ordens und einige radikalere Elemente (unter ihnen Dominique - Dominiks Tochter) planen sogar einen Aufstand gegen die immer stärker werdenden diktatorischen Tendenzen in der AFW. Doch das ist nicht das einzige Problem, denn die Graken haben einen Weg gefunden, ihre Sonnentunnel direkt auf Planeten zu projezieren, was einen verheerenden Feuersturm zur Folge hat und sämtliche Verteidigungseinrichtungen wirkungslos macht.
In all dem Chaos taucht am Rand der Galaxis eine neue Rasse namens Crotha auf. Diese sind eine Art kollektives Bewusstsein aus KIs, die um universelle Erkenntniss zu erlangen, biologische Komponenten assimilieren (wer jetzt an die Borg denkt, liegt nicht ganz falsch) und vor denen offenbar sogar die Graken Angst haben...
Trotz der zahlreichen Handlungsebenen (am Ende sind es wohl mehr als 10) gelingt es dem Autor eine klare Linie zu verfolgen, wodurch unnötige Verwirrung beim Leser vermieden wird - die Kapitel kommen in genau der richtigen Reihenfolge, mit genug Abwechslung und kleinen Cliffhangern um einem zum weiterblättern zu bringen. Es gibt sogar einige Zeichnungen der Ausserirdischen Rassen in dem Buch!
Etwas negativ stößt aber das relativ sterile, humorlose und traurige Universum auf; Wortwitz sucht man in diesem Buch vergeblich, alle Personen sind pessimistisch gestimmt. Auch wird die Story zügig vorangetrieben, mit sehr knappen Schilderungen über Umwelt und Umfeld der jeweiligen Personen - für solch großartige Momente wie das Ausrufen der Koalition hätte man sich durchaus mehr Zeit nehmen können - aber hier meckert es sich schon auf einem sehr hohen Niveau.
Einziger wirklicher Kritikpunkt sind die fehlenden Informationen über die Technik der Zukunft. Immer wenn eine der Hauptpersonen in Schwierigkeiten gerät erfährt man, das sie ja in einem speziellen Schutzanzug steckt, durch entropische Energiekraftfelder abgeschirmt wird oder über biotechnische Implantate verfügt, die sie mit allen nötigen Informationen versorgen. Wenigstens gibt es am Ende des Buches ein Glossar, ohne das man als Leser ziemlich aufgeschmissen wäre.
Schreibstil:
Auch hier versteht der Autor sein Handwerk; Die flüssige Schreibweise, die abwechselnd aus der Sicht der Protagonisten geschilderten und erzählten Geschichte ist perfekt dosiert, um das Buch spannend zu machen. Langeweile kommt hier an keiner Stelle auf. Nur die etwas verwirrenden Schilderungen über die zahlreichen parallelen Realitätsebenen sorgen für das ein oder andere Stirnrunzeln - auch hier fehlen genauere Beschreibungen.
Fazit:
Ein wirklich sehr guter, spannender und epischer Roman, bei dem es an einigen wenigen Stellen etwas schwächelt.
Wer generell mehr auf Mystische/Metaphysische Sci-Fi Kost steht, wird dieses Buch lieben.
Aber wer "Feuervögel gelesen hat, kommt wahrscheinlich ohnehin nicht an den beiden anderen Teilen vorbei.
Eine Leseprobe gibt es auch auf der offiziellen Website des Autors (einfach mal nach dem Wort "Kantaki" googeln) - vorsicht, Suchtgefahr! ;)
4,5 Sterne - abgerundet, aber auch nur weil 5 Sterne absolut perfekten Büchern vorbehalten werden...