Vor einigen Jahren habe ich von dieser Autorin schon das Buch "Das gefrorene Licht" gelesen und es in angenehmer Erinnerung behalten. Als mir nun dieser neue Band über die Anwältin "Dora" in die Hände fiel nahm ich es mit und fing zu lesen an; und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.
Ein intelligenter Krimi spielte sich da vor meinen Augen ab.
Jakob, ein junger Mann mit Down-Syndrom soll in einem Behindertenheim einen Brand gelegt haben, bei dem 5 Menschen ums Leben kamen. Jetzt lebt er in einer psychatrischen Einrichtung für Straftäter und fühlt sich auch dort nicht wohl und möchte nur zu seiner Mutter nach Hause zurück.
Die Anwältin Dora Gudmundsdottir wird gebeten sich des Falles noch einmal anzunehmen und ihn neu aufzurollen und nach einigen Vorgesprächen tut sie das auch.
Denn das Jakob auf Grund seines Entwicklungsstandes gar nicht in der Lage war so einen komplizierten Brand zu legen, wollte wohl damals niemandem auffallen... und so fängt Dora an, neue Untersuchungen und Befragungen anzustellen und stößt sehr schnell auf Ungereimtheiten und in ein Wespennest aus Lug und Trug und Vertuschung!
Die Autorin hat mich wieder einmal überzeugt, das es nicht immer großes Blutvergießen in einem Buch geben muß, um daraus eine spannende Handlung zu konstruieren und läßt stattdessen ihre Protagonisten für sich sprechen.
Es ist ein ruhiger Kriminalroman, dessen Gewicht und Handlung mehr auf die psychologische Seite ausgelegt ist und seine Handlungstränge gut miteinander verknüpft.
Da der Roman in der jetzigen Zeit angesiedelt ist, sprich im Jahre 2010, erfährt man auch wie in Island nach der Finanzkrise mit öffentlichen Geldern für Wohnheime und andere Einrichtungen umgegangen wird. Ja, es könnte so sein...
Yrsa Sigurdardottir schreibt in einem sehr schönen und flüssigem Stil und schafft es dabei immer sich die Ernsthaftigkeit und Tiefe für ihre Themen zu bewahren.
Ein ruhiger und intelligenter Krimi für schöne lange Winterabende, der auf keiner Seite langweilig wurde.