Dieses Buch versprach laut des Klappentextes gute Unterhaltung und obwohl es mit den üblichen Zutaten wie spektakulären Explosionen, Feuergefechten und mächtigen, übelwollenden Gegnern nicht spart, stellt sich bei der Lektüre doch rasch ein Gefühl von Übersättigung und Abstumpfung ein. Zu allbekannt ist das Gelesene und die Handlung bewegt sich unbeseelt in den üblichen ausgetretenen Bahnen: Die Bösen müssen von den Guten aufgehalten werden und sich durch Massen von Verschwörungen kämpfen. Die Protagonisten bleiben mir als Leser gerade durch ihr ausgesucht elitäres Herkommen, da sie die Besten der Besten, moderne Achillesse sind, die keine Kugel zu verletzen vermag - und daß nur sie allein die Bösen treffen und töten, braucht gar nicht erwähnt zu werden - und die sich dank ihrer Hochintelligenz und Findigkeit noch aus der ausweglosesten Zwangslage befreien können, zutiefst fremd. Am Ende schaffen sie es doch immer, lautet das Fazit. Die versuchte Charakterisierung jener bedient sich dabei der hinlänglich bekannten Versatzstücke: Familiäre Probleme im Hintergrund, Liebe, frühere verpatzte Einsätze etc. Auch inhaltlich und sprachlich berührt der Text kaum. Die Sprache ist holprig, was mitunter in manchen Momenten der Übersetzung geschuldet sein mag, und auch in der Beschreibung dürftig und nüchtern, die Elemente der Handlung scheinen in ihrer Unverdautheit sorglos aus Quellen einer Tertiärrezeption (Kino, Belletristik, Internet) geschöpft worden zu sein; ein Anflug von Atmosphäre oder Lokalkolorit ist daher nicht auszumachen.
Was der Handlung weiteren Abbruch tut, ist die offensichtliche amerikazentrierte Sichtweise des Autors: Während Europa für die Vergangenheit steht, zwar kulturell bedeutsam, kulinarisch bewandert und dem Wissen verflossener Tage hingegeben, repräsentiert sich Amerika in der Gestalt der Sigma-Gruppe als Modell der Zukunft, da sie naturwissenschaftlich und militärisch überlegen erscheint und auch alles, was Europa übersehen hat, noch herausfindet. Allein, die Verknüpfung der amerikanischen Eliteeinheit in die Handlung, der Autor legt einer seiner Figuren die Worte von der "Bedrohung der nationalen Sicherheit" als Begründung in den Mund - ein Schelm, wer Böses dabei denkt -, wirkt künstlich und unmotiviert, zumal dieses Motiv auch später nicht mehr aufgegriffen wird. So bewegt sich diese amerikanische Eliteeinheit denn auch seltsam fremd in ihrer europäischen Umgebung, daß ihr ein einheimisches Fremdenführerpärchen verpaßt werden muß, damit sie sich zu Recht finden kann. Gerade bei diesem Thema wäre eine eher europäisch zusammengesetzte Gruppe, die sich aus papsttreuen Katholiken zum Schutze des Vatikans rekrutierte und so die spannungsreiche und atmosphärische Einheit von Religion, Wissenschaft und Militär verkörperte, doch wesentlich authentischer und harmonischer gewesen.
Insgesamt ein grelles, aufdringlich sensationsheischendes "Sakrileg"-Derivat, das an das Original, bei all seinen Stärken und Schwächen, nicht annähernd heranreicht.