Charles Sheffield ist in seinem Roman der Frage nachgegangen, was eine dem Sonnensystem sehr nahe Supernova auf der Erde für Folgen hätte und ob und wie die Menschen mit diesen fertig werden würden. Im Gegensatz zu den zahlreichen Romanen die sich mit (drohenden) Kometen- oder Meteoriteneinschlägen beschäftigen, hat dieses Szenario den Vorteil der Originalität und braucht sich so nicht mit anderen Romanen zum gleichen Thema zu messen. Trotzdem sind leider verschiedene Schwächen des Romans nicht zu übersehen. Sheffield kann formulieren und auch die Übersetzerin Christine Strüh leistete gute Arbeit, so dass man zumindest vom Stilistischen her nichts gegen den Roman vorbringen kann - im Gegenteil, er hebt sich hier positiv von der Masse der schlecht geschriebenen und/oder schlecht übersetzten SF- und Fantasyromane ab. Auch die Charaktere sind überzeugend, das Thema ist- wie bereits gesagt - halbwegs originell und das ganze ist zumindest so spannend, dass man den Roman bis zum Ende mit Interesse liest. Mehr leider aber auch nicht. Der Roman ist definitiv kein "ich-kann-das-Ding-nicht-aus-der-Hand-legen-bis-ich-das-Ende-weiß"-Buch und wirklich mitfiebern mit dem Schicksal der Hauptfiguren tut man nie. Auch die Schilderung der Katastrophe selbst und insbesondere ihre Auswirkungen auf die Welt und die hochtechnisierte Gesellschaft kann nicht recht überzeugen; das ganze wirkt oberflächlich und seltsam unwirklich. Schließlich macht der Autor auch noch eine Reihe von ärgerlichen inhaltlichen bzw. "wissenschaftlichen" Fehlern, die kaum daran zweifeln lassen, dass seine Recherchen zum Thema mehr als flüchtig waren. So scheint zum Beispiel eine Klimaerwärmung nicht zu existieren, obwohl diese im Jahre 2026 zu den dringendsten Problemen der Menschheit zählen dürfte. Dafür aber spekulieren im Roman hochqualifizierte Wissenschaftler darüber, ob zwei Monate starker Sonnenstrahlung (oder besser: Supernovastrahlung) die kilometerdicken (!) Eiskappen der Antarktis abschmelzen könnten (was natürlich völliger Blödsinn ist) und sagen für den Fall, dass die Eiskappen tatsächlich abschmelzen einen Meeresspiegelanstieg von 7,5 Metern voraus, obwohl es in Wirklichkeit in einem solchen Fall über 70 Meter wären! Insgesamt kann ich den Roman also nur eingeschränkt empfehlen und wer nicht schon alle "Klassiker" des SF-Katastrophengenres kennt, sollte vielleicht erst mal die entsprechenden Werke von Benford, Niven, Brunner und all den anderen Größen lesen!