Die Progressive-Rocker Geist aus Köln sind zurück mit ihrem neuen Album 'Feuerengel'. Knapp vier Jahre hat es gedauert und nun will man natürlich an den bisherigen Erfolg anknüpfen. Wenn man sich an ihr Debüt 'Für alle Zeit' zurück erinnert, kann man sich noch genau daran erinnern, dass man ihn mehrmals hören musste bevor man einen Zugang zur Musik der Combo bekommen hat.
Und nun einige Jahre später und den einen oder anderen Wechsel am Schlagwerk präsentieren sich die Herren vom Rhein in einem neuen Gewand! Man könnte glauben sie sind aus ihrem Winterschlaf erwacht und nun bereit fürs nächste Level!
Der Opener 'Feuerengel' kommt mit ohrenbetäubenden Gitarren-Riffs daher und der Refrain bleibt spätestens nach dem dritten Mal hören im Gehörgang kleben. Zugänglich und radiotauglich präsentiert sich der erste Song der Platte. Melodisch und mitreißend geht es weiter mit 'Strom'. Einer der bisher optimistischsten Songs der Band, der bisher veröffentlicht wurde. Behutsam knüpft 'Panzer' an, doch schon nach kurzer Zeit baut sich eine Welle an musikalischer Überflutung auf und führt ein Kopf-an-Kopf- Rennen zwischen Ebbe und Flut! Und dann kommt was kommen musste ' der Song der die Köpfe zum nicken bringt, eine geballte Rock-Ladung Geist und Fares Stimme ist so facettenreich wie noch nie - 'Den Teufel tun'.
Bisher kommt man in jeden Song mit Leichtigkeit rein. Nach zwei bis drei Anläufen haben sich die Songs in den Gehörgängen festgenagelt. Und dann kommt 'Ameisen', ein Song der etwas Zeit benötigt und auf einem Konzept-Album gut aussehen würde. Ein Epos bestückt mit einem unglaublichen Pathos! 'Beschwörer' reiht sich kommentarlos in die Reihe der bisher erwähnten Songs. Er kracht und geht nach vorne.
'Mein Herz' könnte auch auf 'Für alle Zeit' passen, quasi der Song, der den Hörer schon zum damaligen Zeitpunkt auf 'Feuerengel' vorbereitet + einem kleinen Gitarrensoli. 'Schwerelos' beginnt mit einer Akustikgitarre und man könnte glauben, dass uns ein ruhiger zurückhaltender Song erwartet, aber Pustekuchen! Der Song schlägt eine brachiale Note ein und durchlebt musikalisch mal wieder grandiose Höhen des Geistschen Könnens.
'Wunder Stern' klingt ein wenig fremd und benötigt Zeit eh man sich mit ihm anfreundet und verliert sich ein wenig im Kreis der massenkompatibelen Songs des Albums. 'Schweig mich tot' rockt in bekannter Manier und wird bei den Konzerten sicherlich eins der Highlights sein. '28' der letzte Song ' ein wirklich guter letzter Song. Die Stimmung die der Song ausstrahlt zieht einen in seinen Bann und ist mit 6:29 min. der längste Song des Albums und erinnert an Songs wie 'Für alle Zeit' oder 'So viele wie du'. Im letzten Teil des Songs stellt sich uns ein unglaubliches, musikalisches Zusammenspiel der Herren da, wie wir es bisher in einem solchen Ausmaß an Leidenschaft und Spannung noch nicht zu hören bekommen haben.
Fazit: Die Geschichte um Geist schreibt ein neues Kapitel. Die Musik der Kölner ist zugänglicher geworden. Alle Zeichen deuten Richtung Mainstream - und das ist nicht böse gemeint. Zwar wünscht man sich den einen oder anderen eigensinnigeren Moment vom Vorgängeralbum, doch erscheinen Geist nun wesentlich gefestigter und geradliniger. Melodisch und stark geht der Zweitling seinen Weg - und der wird noch lange weitergehen!
Meine persönlichen Favoriten: Panzer, Den Teufel tun, Ameisen, 28 und Strom