Man sagt ja gerne über Anthologien, dass da für jeden etwas dabei ist - naturgemäß also einem Leser nicht alle Geschichten gefallen. Dieses Vorurteil bestätigte sich bisher (ich bin eine starke Anthologieleserin).
Diese Anthologie bildet die Ausnahme. JEDE der 25 Geschichten hat mich mitgerissen und zum Mitfiebern, -Fühlen oder Schaudern gebracht.
Neben mir (und wenn auch nur vom Namen) bekannten Bestseller-Autoren waren auch Perlen der 80er oder neue Autoren vertreten. Für diejenigen, die überlegen, ob sich die Jagd (gibts nur noch antiquarisch, leider) nach diesem Buch lohnt, werde ich eine Übersivht über die vertretenen Stile sowie die Autoren geben.
IN DER ANTHOLOGIE VERTRETENE AUTOREN (Reihenfolge nach Inhaltsverzeichnis):
Tanja Kinkel, Ulrike Schweikert, Kai Meyer, Andreas Eschbach, Kari Köster-Lösche, Jane Welch, Hanns Kneifel, Bernhard Kegel, Dennis L. McKiernan, Jörg Kastner, Barbara Büchner, Gisbert Haefs, Kristine Kathryn Rusch, Thomas R.P. Mielke, Michael Morgental, Catherine O'Donell, Harald Braem, Claudia Mielke, Helmuth W. Mommers, LAura Resnick, Jaqueline Carey, Uschi Zietsch, Joanne Bertin, Hans Bemmann, Barbara Slawig.
STILRICHTUNGEN (teils Mehrfachzählungen in 2 Genre):
Von den 25 Geschichten waren...
- 10 in selbsterfundene (High) Fantasy Welten (darunter Tanja Kinkel, Ulrike Schweikert, Kai Meyer),
- 7 in der realen Welt (darunter Andreas Eschbach; eine der Geschichten davon historisiert in Asien)
- 3 siedelten das Setting in einer unbestimmten Zukunft/Sci-Fi-Welt an.
- 1 mischte Fantasy und Sci-Fi
- 3 thematisierten historische Drachentöter-Geschichten in einem Fantasysetting (2 Siegfried, 1 Georg, letzterer hatte außer dem Namen & Drachentöten keine tatsächlichen Bezüge, daher auch unter selbst erfundene Fanztasywelt aufgezählt; 1 Siegfried-Geschichte war ziemlich historisierend)
- 2 Sagen: 1 begann wie eine Sage, bevor Menschen existierten, 1 setzte einen Drachen in ein von der Zivilisation unberührtes Inselvölkchen (hoch amüsant mit unerwarteten Wendungen)
Des weiteren konnten in 8 Geschichten die Drachen sprechen, in 1 sich anderweitig verständigen und in 1 Geschichte erleben wir den Gedanken-Monolog eines vernunftbegabten Drachenwesens.
4 Drachen waren keine "echten" Drachen, sondern durch Verwandlung zu Drachen (oder Menschen) geworden.
Besondere Highlights und Besonderheiten:
- 1 Fantasykrimi mit einem Drachen als Ermittler (Kathryn Karin Rusch, "Ein Fall für Rumaad")
- 1 wunderschöne Liebesgeschichte in einer Fantasywelt mit Drachen (Kai Meyer, "Komm, schweb mit mir, Amethyst")
- 2 Sci-Fi-Ermittler, deren Autoren sich wohl kennen, da sie sich aufeinander beziehen
- 1 Auftritt des Todes, der mich an Terry Pratchetts Tod erinnerte
- 1 stummer personaler Erzähler, der von seinen Dorfbewohnern und den anreisenden Wissenschaftlern als einfältig angesehen wird, tatsächlich als einziger die dort handelnden Drachen versteht ("Bernhard Kegel, "Im Muldenland" - auch eine meiner Lieblingsgeschichten)
- sowie Dutzende tote Menschen und Hunderte tote Drachen - oder zählen Nanodrachen wegen ihrer Größe nicht pro Köpfchen? Was ist überhaupt ein Nanodrache?
POSITIV:
- großer Genre-Varianz / unterschiedliche Geschichten
- überraschende Geschichten vermeintlich "bekannter" Autoren (Tanja Kinkel & Kai Meyer haben mich mit ihren Stories überrascht)
- schönes Vorwort/Nachwort
- Ausführliche Autorenvita (teils 1 Seite) mit Infos zu den Autoren mit kleinem Werksverzeichnis (habe mir aufgrund ihrer Kurzgeschichte schon antiquarisch von Joanne Bertin einen 1980er-Roman gekauft), so dass man auch neue Autoren finden kann
NEGATIV:
- große Stilvarianz: wer nur "klassische" oder High-Fantasy-Geschichten sucht, wird enttäuscht werden.
FAZIT:
Ich bin ein sehr mäkeliger Leser und ich hasse normalerweise Experimente. Daher habe ich auf dieser Anthologie über ein Jahr herumgekaut, bis ich alle Geschichten durch hatte.
Dann jedoch war ich so begeistert, dass ich sie mir extra antiquarisch nachgekauft habe.
Einige dieser Geschichten lese ich naturgemäß weniger oft als andere, aber jede Geschichte bringt einen neuen Aspekt (z.B. die beiden Siegfried-Stories, 1 real, 1 HighFantasysetting), so dass sie alle in meinen mäkeligen Augen das Attribut "genial" verdienten.
Vor allem die ausführlichen Autoreninfos am Ende des Buches haben mich positiv überrascht, ich habe mir wegen einer Kurzgeschichte einen 1980er-Roman antiquarisch besorgt.
Also in meinen Augen absolut empfehlenswert - MIT AUSNAHME von HighFantasy-Lesern, die genaue Vorstellungen haben, wie denn eine anständige Drachenstory auszusehen hat.