Seit den Anfängen der Paläoanthropologie diskutieren die Gelehrten, welches spezielle Ereignis es denn nun war, das der Entwicklung des Vormenschen den entscheidenden Schub in Richtung Homo sapiens gegeben hat. War es der aufrechte Gang, der Gebrauch von Werkzeug, die Bewältigung des komplizierten menschlichen Sozialverhaltens oder war es am Ende eher die Nutzbarmachung des Feuers? Richard Wrangham führt sehr überzeugende Belege dafür an, dass es der Übergang von roher zu gekochter Nahrung war. Gleich nachdem einige Exemplare des Homo hablis herausgefunden hatten, dass Fleisch und Pflanzenteile, die in der Nähe des Feuers gegart worden waren, wesentlich bekömmlicher und leichter zu kauen waren, als rohe Nahrung, setzte eine rasche Weiterentwicklung zum Homo erectus ein. Dadurch, dass weniger Zeit zum Kauen benötigt wurde (die z.B. bei unseren Verwandten, den Schimpansen, beinahe den ganzen Tag ausmacht), konnten Gebiss und Verdauungsorgane im Vergleich zu den Vorfahren zurückgebildet werden. Dabei blieb wesentlich mehr Energie für die Weiterentwicklung eines "Luxusorgans" wie des Gehirns übrig, das bei Menschen zwar nur einen Bruchteil der Körpermasse, aber 20 % des Kalorienverbrauchs bestreitet. Erst als die Weiterentwicklung des Gehirns durch die Verfügbarkeit leicht verdaulicher und schnell aufnehmbarer Nahrung gesichter war, konnten die andern, zweifellos ebenfalls vorhandenen Entwicklungsimpulse greifen und die Weiterentwicklung zum Homo erectus und zum Homo sapiens anstoßen. Schon beim Homo erectus, der ersten Menschart, die sich dem Autor zufolge überwiegend von gegarter Nahrung ernährt hat, ist eine große Zunahme sowohl der Körpergröße, wie auch der Größe des Gehirns zu beobachten - während Gebiss und Verdauungsorgane deutlich kleiner wurden. Zusätzlich stützt Richard Wrangham seine Argumentation mit Beobachtungen an indigenen Völkern, bei denen Nahrung ebenfalls überwiegend gegart verzehrt wird und die Zubereitung des Nahrung ein wichtiges kulturelles Element darstellt. Ein absolut lesenswertes Buch, das einen wichtigen Aspekt der Menschwerdung neu beleuchtet.