Kerrs erster von drei Romanen mit seinem Berliner Ermittler Bernhard Gunther ist ein gut lesbarer und auch spannender Kriminalroman. Die Schilderung der Verhältnisse, das organisierte Sich-Vor-Der-Weltöffentlichkeit-Verstecken des Nazi-Regimes im Vorfeld der Olympischen Spiele und die beständige Drohkulisse, die Gunthers Ermittlungen begleiten, sind glaubwürdig geschildert. Trotzdem blieb bei mir ein fader Beigeschmack. Warum?
Einmal klappert Kerr für meinen Geschmack zu viele historische Orte, Ereignisse und Personen ab und läßt ihnen seinen Ermittler Gunther mit einer unangemessenen Kaltschnäuzigkeit begegnen.
Der Klappentext zitiert eine Kritik, die Gunther mit Chandlers Philip Marlowe vergleicht - ich würde eher den Vergleich zu Hammets Sam Spade ziehen, der mir in seinen Handlungen und Motiven ähnlich rätselhaft ist wie Bernhard Gunther in diesem Buch (ähnlich rätselhaft wie die Metaphern und Vergleiche, die beide Autoren/Detektive bezeiten bemühen). Diese Frage der Glaubwürdigkeit der Hauptfigur ist der zweite Grund für mein flaues Gefühl.
Der dritte liegt für meine Begriffe in einer Entgleisung der Handlung - es geschieht zuviel, einiges ergibt keinen Sinn, anderes ist (dem Leser) zu früh offenbar und am Ende liegen nicht der eine (beabsichtigte) Handlungsfaden unverknüpft da, sondern gleich mehrere. Das Buch ist aus, obwohl mich das Gefühl beschleicht, daß das noch nicht alles gewesen sein kann. Vielleicht ist die Erzählung einfach schlecht „organisiert", vielleicht ich einfach zu dämlich, den Fall in seiner Gänze zu kapieren.
Jedenfalls hält Kerrs Feuer in Berlin nicht, was es mir eingangs versprochen hat - in der Aneinanderreihung von Spannungsspitzen fehlt einfach ein abschließender Höhepunkt, der mich mit diesem ersten Gunther-Roman versöhnen würde. Ich werde es wohl mal mit dem zweiten versuchen müssen.