Es ist lange her, ich mochte etwa 16 Jahre alt gewesen sein und wartete am Kölner Hauptbahnhof auf eine Bahn. Mir war langweilig, ich wollte lesen, konnte mit Zeitschriften nichts anfangen. In der Auslage eines Zeitschriftengeschäfts wartete "Fette Welt" auf mich. Mein Blick auf die erste Seite, die Überschrift "Die Kampfmöse", faszinierte mich sogleich.
Was dann mit mir geschah, kannte ich bisher noch nicht. Es war - muss ich das erwähnen? - mein erster Krausser, mein erstes Mal, sozusagen. Ich wurde gefesselt und verdorben, war verliebt und vernarrt, hatte Blut geleckt und konnte nicht genug bekommen. Ich habe kein Buch öfter gelesen, kein Buch hat mich an mehr Orte begleitet, und immer wieder habe ich etwas Neues entdeckt, das mich fesselte, immer wieder Stellen entdeckt, die eine alte Leidenschaft brennen ließen. Es war lange Zeit mein Lieblingsbuch aus Kraussers Feder (da war "UC" noch nicht geschrieben).
Die gekonnte, mitreißende Verbindung obszöner, vulgärer Worte mit großen, literarisch anspruchsvollen Ausdrücken wirkt anregend anstößig und sehr gekonnt. "Fette Welt" ist der dritte Teil und damit der Höhepunkt der Hagen Trinker Trilogie und ich empfehle jedem Leser dringend, nach dem Genuss auch die ersten beiden Bände "Könige über dem Ozean" und "Schweine und Elefanten" zu lesen.