"Edition Skylight" hat mit "Fetish Dreams" 37 Fotografen (darunter nicht erstaunlich nur 2 weibliche Fotografen) ein Domizil gewährt, um deren Arbeiten einem breiten und bereiten Publikum präsentieren zu können. Herausgesprungen ist ein dicker Wälzer mit schweren 400 Seiten in einem Format zwischen A4 und A5 - groß genug, um mehrere Fotografien abzubilden, wo es sich anbietet. Natürlich bestechen die ganzseitigen Einträge viel mehr, arbeiten sie Details fürs Auge sichtbar besser heraus.
Die Fotografen werden durch eine kurze Vorstellung eingeführt. Das ist ein Service, der die nachfolgenden Arbeiten großteils aussagekräftiger macht, soweit der Fotograf auf seine Arbeitstechnik zumindest in Stichworten eingeht. Dazu werden noch nützliche Daten wie der Internetauftritt geliefert, die übers Fotobuch hinaus die weitere Rezeption der Werke ermöglichen.
Die Werke: über 400 Fotos sind es, schwarz-weiß und farbig, in das alles in einer sehr guten Druckqualität. Entscheidend aber ist die bunte Mischung quer durch den Fetischgarten: von den verschiedenen Materialien, die die ausnahmslos weiblichen Modells zieren, bis zu den Utensilien, die sie tragen oder in die sie eingebunden sind. Was mich besonders beeindruckt: gerade die Fotografien hinterlassen den stärksten Eindruck, bei denen der (angenommene) Fetisch nicht Selbstzweck ist, sondern Betonung, den Rahmen bildet. Das Modell wirkt darin lebendiger, wie eine Einheit mit dem Fetisch (sei es Latex oder die Metallfesselung oder anderes), und weniger als Fremdkörper, der nur zur Betonung des beispielsweise Materials wie Gummi hinzugestellt wird.
Das gelingt dem einen Fotografen besser, dem anderen nicht ganz perfekt. Doch die Riege der Fotografen ist so exquisit durchgemischt, das für jedes Auge etwas dabei ist. Man kann in schönen Bildern schwelgen oder schaudern ob ihrer Obszönität oder Direktheit. Man kann Aufnahmen bewundern, die in einem edlen Ambiente geschaffen wurden - oder im kalten Fabrikbau. In der Geballtheit ist für jeden Geschmack mehr als eine Fotografie dabei, auf der die Augen ein paar Wimpernschläge lang verweilen kann, um der Phantasie genügend Raum zum weiterspinnen zu gönnen.
400 Seiten sind nicht in einem Rutsch durchgeblättert. Damit würde man die Arbeiten der Beteiligten auch nicht genug respektieren. Einfach die Finger durch die Seiten laufen lassen, genießen, dann das Buch wieder weglegen, um es in einer Mußestunde erneut aufzuschlagen. Das bietet sich bei "Fetisch Dreams" an: es ist kein Fotobuch für den schnellen Genuss, sondern fürs sparsame Genießen.