Es gibt drei Arten von Samplern: Charts-, Billig- und Genresampler.
Der Chartssampler enthält mehr oder weniger aktuelle Titel. Die Interpretation des Begriffes "Hit" wird dabei großzügig nach unten ausgedehnt. (Eine Doppel-CD mit 40 Titeln aus gerade mal drei Monaten will schließlich gefüllt sein, und soooo schlecht ist Platz 14 ja nun auch wieder nicht).
Auch der Billigsampler gibt vor, Hits zu enthalten. Doch sind den Machern solcher Sampler durch das Budget enge Grenzen gesetzt. Deshalb darf man gewiss sein, dass Zusammenstellungen der Sorte
Greatest Hits 70'S garantiert keine Stücke von Abba, Fleetwood Mac oder Queen enthalten, dafür reichlich One- und Half-Hit-Wonders sowie Achtungserfolge von Gruppen, die heute auf Revivalfestivals ihre Rente aufbessern und deren Originalbesetzung in der Regel arg dezimiert ist (Tod durch Leberzirrhose, Herzinfarkt etc.).
Der Genresampler konzentriert sich auf bestimmte Stilrichtungen und/oder Jahrzehnte. Das kann deutsche Diskomusik sein (
Disco Deutschland Disco - Disco, Funk & Philly Anthems From Germany 1975-1980 (Digipak)), französisches Easy Listening (
Get Easy! Vol.3-French Pops) oder Elektropop der 80er (
Pop & Wave Vol.1).
Auch "The Rare Classics Vol.2" ist ein Genresampler - aber was für einer! Was hier stattgefunden hat, ist eine Art Trüffelsuche unter umgekehrten Vorzeichen. Denn "Rare Classics" enthält ausschließlich zu Recht vergessene Interpreten (die es einmal in ihrem Leben fast in die Top 30 geschafft hätten) und zu Recht vergessene Titel (von nicht ganz so unbekannten Interpreten). Abgerundet wird das Ganze durch Nachfolgetitel von One-Hit-Wondern, bei denen schon nach den ersten paar Takten klar wird, warum aus dem zweiten Hit nichts wurde.
Die Tragik an all diesen Stücken ist, dass ihre Macher den kommerziellen Erfolg suchten. Dass sie bereit waren, sich dem Zeitgeist auszuliefern (vor allem dem der 80er), sich musikalisch zu prostituieren - und dennoch scheiterten. Jeder Song für sich genommen ist eine künstlerische Katastrophe. Doch am Stück gehört entfaltet diese Mischung aus Mittelmaß, Talentlosigkeit und Ideenarmut eine sensationelle Wirkung. Es ist wie ein Sog, der einen in ein musikalisches Paralleluniversum zieht. Alles klingt vertraut und doch seltsam fremd. Plötzlich kommen einem die 80er Jahre surreal vor (als würde man sich auf einer Ü40-Party mit Absinth betrinken). Ist das noch Musik oder schon Droge?