"Festung Breslau" ist der vierte Teil in der Reihe historischer Kriminalromane des Polnischen Autors Marek Krajewski.
Alle vier Krimis spielen sich ab in der Stadt Breslau in der Ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Zwei Bücher spielen sich ab in der Zeit der zwanziger Jahre, das Dritte ist in den in den dreissiger Jahren situiert und "Festung Breslau" hat als Kulisse die Belagerung Breslaus im Kriegsjahr 1945.
Hauptfigur ist auch in dieser Roman wieder der Polizist Eberhard Mock.
Mock war einmal ein hochrangiger Polizist, Kriminaldirektor im Breslauer Polizeipräsidium, aber er hat sich Feinde gemacht in der Polizeiführung und seine Karriere ist im Eimer.
Jetzt dient er bei der Abwehr, der Geheimdienst der Wehrmacht, im Range eines Hauptmanns.
Mock ist auf dem ersten Blick kein sympathischer Held: er betrügt seine Ehefrau, ist enthusiastischer Bordellbesucher (immer gratis als Bulle, versteht sich) und ist ein unverbesserlicher Zynikus. Mock kann die Nazis nicht leiden aber er paktiert mit ihnen um sein Job zu behalten. Er ist ein Sybarit: er geniesst die guten Dingen des Lebens: gutes Essen und Trinken, frische junge Mädels, türkische Zigaretten, teure massgeschneiderte Anzüge und seidene Hemden.
Im März 1945 ist Mock wieder zurück in Breslau. Bei einem Bombenangriff auf Hamburg is er in 1943 schwer verletzt. An die Hände und am Kopf hat er ernste Verbrennungen erlitten und sein Gesicht ist entstellt.
Mocks Ehefrau Karen will raus aus Breslau, bevor die Russen da sind, Mock weiss nicht ob dass noch möglich ist: Hitler hat Breslau zur Festung erhoben und hat die Garnison zur einen fanatischen Widerstand aufgerufen. Auch hat er den rücksichtslosen Nazi-Gauleiter Schlesiens, Karl Hanke, in die Stadt geschickt um die Verteidigung zu führen und um Defaitismus und Schlappmacher zu bekämpfen....mit allen Mitteln.
Am 15. März 1945 bekommt Mock Besuch. Sein Bruder Franz will Ihm sprechen, nachdem sich die Beiden beinahe zwanzig Jahre nicht gesehen haben.
Zwanzig Jahre zuvor würde Erwin Mock, Franz' einziger Sohn, ermordet.
Kriminaldirektor Eberhard Mock löste den Fall und fand der Mörder aber Franz Mock war und ist noch immer der Meinung dass man den Falschen verhaftet und hingerichtet hat.
Franz hat am vorigem Tag einen kurzen, anonymen, getyppten Brief bekommen: "Geh zum Haus nummer 7 an der Viktoriastrasse 43. Dort gibt es etwas dass dich helfen wird den Mörder deines Sohnes zu finden. Beeil dich, sonst sind die Russen schon da.".
Diesen Brief bringt Franz zu Eberhard, mit der Bitte ihm zu helfen.
Die Brüder machen sich auf dem weg nach der Viktoriastrasse, inmitten der Bombenangriffe und des russischen Artilleriebeschusses.
Breslau is nahezu umzingelt von die Sowjetischen Truppen Konievs und die Panik unter der Zivilbevölkerung und der Garnison nimmt zu.
Die Stadt ist voll von Bunkern, Geschützstellungen und Panzergräben.. Volkssturmkompanien und Wehrmachtseinheiten marschieren umher und die Front rückt imer näher heran. In der Stadt gibt es haufenweise Strassensperren bemannt von misstrauischen Feldgendarmen und SS-Patrouillen auf der Suche nach Schlappmachern und Deserteuren.
In diesem absoluten Chaos des Krieges und des Schreckens jagen die brüder Mock einen Mörder. Auf ihrer Jagd begegnen sie einen pathologisch grausamen KZ-kommandanten, geschundene häftlinge, verrückte Professoren, Morphinisten, Feiglinge, Schwarzwarenhändler, Mitlaüfer, Idealisten, Saüfer, arme Schweine, Nutten, fanatisierte Hitlerjungen, Zivilisten, korrumpierte Polizisten, Deutsche, Polen, Russen...
Eberhard Mock liebt nur Eberhard Mock, so denkt man, aber dieser komplizierter Mann hat, zu seinem eigenen Staunen, auch noch ein Bisschen Sinn für Gerechtigkeit. Dieser Charakterzug ist es der ihm zum Entschluss bringt sein altes Handwerk noch einmal auf zu nehmen in der sterbenden Stadt...
Rau, ganz und gar düster und zynisch....Das Buch knistert ja geradezu von Atmosphäre und Spannung. Ein richtiger "Film Noir" in Buchstaben, eben! Charaktere und Handlung sind scharf, bissig und genau geschildert und zusehrst gelungen.
Ein toller Krimi, Fesselnd bis zur letzten Seite! Sehr empfohlen an alle die gute und originelle historische Krimis mögen und an alle die gute Bücher lieben, denn Krajewski hat einen ausgeprägten, soignierten Stil und ist ein Meistererzähler.
Ich hab nur dieses eine kleine Minuspunkt zu bemerken: Lieber Herr Krajewski: ist dies nun wirklich der letzte Mock? Könnten Sie bitte nicht noch einen schreiben? Oder zwei? Tun Sie's doch, mir zuliebe.