Ein Buch, das schwierig zu rezensieren ist, denn es will ja eigentlich nicht nur gelesen, sondern vor allem erprobt werden, um seinen Zweck zu erfüllen. Ob so ein Ratgeber wirklich tauglich ist, einen nachhaltig günstigen Einfluss auf den Alltag des Lesers zu nehmen, zeigt sich erst im Langzeitversuch. Der Erfolg hängt letztlich auch nicht am Autor oder am Buch, sondern nur an dem, der es zur Hand nimmt oder die beigefügte Übungs-CD einlegt.
Was der Autor vorlegt, ist auf jeden Fall eine gute Grundlage, das eigene Leben zu reflektieren und mehr aus sich selbst zu machen. Die ersten Schritte können relativ leicht getan werden, auch die ersten Erfolge dürften sich rasch einstellen, wenn man den Weg der positiven Gedankenkonditionierung beschreitet. Mehr Mühe wird es machen, nicht gleich in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.
Im Buch wird aufgezeigt, welchen Einfluss negative oder positive Konditionierungen unseres Gehirns auf unser Leben haben und wie wir unseren menschlichen "Festplattenspeicher" mit Informationen füllen können, die für ein gelingendes Leben nützlich sind. Wir lernen hilfreiche "Mitspieler" kennen, die uns helfen voranzukommen, und wir werden vor Gegenspielern gewarnt, die uns das Leben schwermachen. Die Erklärungen sind anschaulich und nachvollziehbar.
Thomas Kautenburger gehört nicht zu den Ratgebern, die das Blaue vom Himmel versprechen oder die den Anschein erwecken, alles im Leben sei ohne Mühe und Arbeit zu erreichen. Er ist auch kein Guru, der die Herrschaft über den Verstand seiner Leser/Schüler anstrebt. Vielmehr will er Menschen dazu befreien, die eigenen Möglichkeiten zu erkennen und einzusetzen - ehrliche Anstrengung kann ja Freude machen, wenn man weiß, wofür man sich einsetzt.
Eine Stärke des Buches ist es, dass hier Begriffe wie Erfolg, Glück und Erfüllung nicht sinnentleert gehandelt werden, sondern dass der Leser immer wieder animiert wird über Sinn und Ziel des Lebens nachzudenken und gängige Erfolgsnormen oder Statussymbole kritisch zu hinterfragen. Was macht ein Leben wirklich wertvoll?
Der Autor schöpft aus alten Weisheitsquellen der Menschheit und bringt Lebenserkenntnisse ein, die religions- und kulturübergreifend nachvollzogen werden können. Den Gottesbegriff fasst er weit genug, dass jeder, der auf eine ordnende Kraft im Universum vertrauen möchte, sich angesprochen fühlen kann, und dabei doch so griffig, dass man nachvollziehen kann, dass die Frage des Glaubens und Vertrauens Auswirkungen auf das individuelle Leben entfaltet.
Beeindruckt hat mich, dass Kautenburger es wagt, den vielfach missbrauchten und entwerteten Begriff Liebe" so offensiv zu verwenden und darzulegen, dass dort, wo die Liebe (Liebe zum Lebensursprung, zum Mitmenschen und zu sich selbst) nicht das Urmotiv des Handelns ist, alle Bemühungen letztlich Mühe bleiben und sich zerstörerisch auf das eigene Leben und die Umwelt auswirken. Wer also Erfolg auf Kosten anderer anstrebt, wird sich andere Ratgeberliteratur" suchen müssen als dieses Buch.
Thomas Kautenburger wirkt auf mich wie jemand, der selbst ausgiebig gelesen, nachgedacht und probiert hat, ehe er mit seiner gebündelten Lebensweisheit nach außen ging. Er schreibt mit der Gewissheit und der Gelassenheit eines Menschen, der zu einem gesunden Selbstbewusstsein gekommen ist, was einschließt, sich jederzeit hinterfragen zu lassen und weiterhin Lernender zu sein. So gesehen ist dieses Buch nicht das definitive Buch zum Selbststudium, sondern eine Einladung, über die reichen Möglichkeiten des Lebens mit anderen Menschen zu kommunizieren.