Episch, kraftvoll, poetisch, deftig, voll sprühendem Sprachwitz und Wortgewalt, kleinkariert österreichisch und universell, verwirrend und klar - einfach köstlich. Entweder man mag es - dann absolut, oder man kann nichts damit anfangen. Also Vorsicht. Ein Tipp: Einfach irgendein Kapitel herausgreifen, lesen. Wenn's gefällt dann kann man getrost das ganze Buch lesen. Es bleibt bis zur letzten Zeile voll Überraschungen und Veränderungen.
Die Handlung: braucht nicht erzählt werden, weil nebensächlich. Die Personen und Geschichten: zu viele, um darüber zu schreiben, zu skuril um sie ernst zu nehmen und gerade deswegen sind sie doch real; weil die Oberfläche weggekratzt wurde, das Make-Up, schaut man gleich direkt mitten in Sie hinein - in das tragisch-komische Dasein.
Was will Franzobel uns mit dem Buch sagen: Eine Parabel - wofür? Eine Philosophie - wovon? Menschheitsgeschichte? Österreichische Geschichte? Ein Sittenbild? Vielleicht alles, vielleicht gar nichts. Hält er uns nur zum Narren? Oder steckt hinter dem schelmischen Vordergrund doch mehr?
Das schöne ist, dass es so vielschichtig ist, dass jeder Leser für sich das herausholen kann was ihm gefällt.
Für mich das erste Werk eines/r österreichischen Schriftstellers/in seit dem Mann ohne Eigenschaften, dem ich die Bezeichnung Jahrhundertroman geben würde - bei allem Respekt vor unseren großartigen Leistungen bereits verstorbener und noch lebender Autoren.