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Fest in Rima
 
 
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Fest in Rima [Sondereinband]

Plinio Martini
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Sprecher seines Volkes

Zwei Bücher von Plinio Martini

Der Tessiner Schriftsteller Plinio Martini (1923–1979) hat mit seinem 1970 erschienenen Roman «Il fondo del sacco» («Nicht Anfang und nicht Ende») die Literatur der italienischen Schweiz aus den Fängen der Idylle befreit, in welche die beiden Meister der ersten Jahrhunderthälfte, Francesco Chiesa und Giuseppe Zoppi, sie getrieben hatten. Das Buch bewies, dass auch die Erfahrungen der engen, provinziellen Welt des Tessins zu Literatur werden konnten.

An einem Vortrag an der Universität Zürich im Jahr 1972 sagte Martini freilich, «Il fondo del sacco» sei nicht aus literarischem Ehrgeiz geschrieben worden, sondern aus der «inneren Notwendigkeit», Zeugnis vom jahrhundertealten Überlebenskampf der Menschen in den Tessiner Bergtälern abzulegen. Deutlicher als im Roman wird das Vorrecht, das Martini der Dokumentation gegenüber der Literatur gewährt, im Band «Fest in Rima» spürbar, der laut dem Untertitel «Geschichten und Geschichtliches aus den Tessiner Tälern» enthält und in diesem Jahr vom Limmat-Verlag neu aufgelegt wurde. Es sind Prosaarbeiten zwischen Artikel und Kurzgeschichte, welche die Menschen, die Bräuche und die Sprache des heimatlichen Val Bavona (eines Nebenarms des Maggiatals) zum Gegenstand haben.

Noch stärker ist die Notwendigkeit, ja Leidenschaft, welche Martini inspirierte, in vielen seiner Artikel und Vorträge zu spüren, die Ilario Domenighetti unter dem Titel «Nessuno ha pregato per noi» zum 20. Todestag des Schriftstellers aus dem Maggiatal herausgegeben hat. Sie dokumentieren Martinis Anspruch, Sprecher zu sein «della mia gente», das heisst der Leute des eigenen Tales und der Laien in der Kirche. Auch diese Texte befassen sich bis zur Obsession mit den für Martini typischen Themen: mit der Grausamkeit der Natur, dem harten Leben der Bergler, der Isolation der Dorfgemeinschaft, dem Unglück der Emigration. Wie «Il fondo del sacco» sind sie von Zorn und Trauer erfüllt; nur ist die Trauer des Erzählers im Roman über den unheilbaren Bruch, den die Auswanderung nach Kalifornien bewirkte, zur Trauer des Journalisten Martini über den Niedergang der bäuerlichen Kultur seines Tals geworden. Und der Zorn gegen das Schicksal, in das heimatliche «Tränental» hineingeboren zu sein, der «Il fondo del sacco» prägt, trifft in Martinis Artikel jene Politiker und Priester, die das Volk für dumm verkaufen.

Der Kampf um eine gerechte Entschädigung für das Wasser der Maggia, das die Kantonsregierung an die Deutschschweizer Elektrizitätswirtschaft verschachert hatte, und die enttäuschte Hoffnung auf eine wahre Erneuerung der Kirche, die Johannes XXIII. und das von ihm einberufene Konzil geweckt hatten, lassen Martini zu einem scharfen Polemiker werden, der im Tessin der sechziger und siebziger Jahre einige Irritation ausgelöst hat. Mit «Nessuno ha pregato per noi» erscheint das Bild des Schriftstellers als Anwalt des Volkes, in dessen Rhetorik («die fetten Städte der deutschen Schweiz») jene von Drittwelt-Intellektuellen seiner Zeit anklingt. Dank seiner Glaubwürdigkeit als Bergler, Katholik und Maggiataler hat Martini damit wohl massgeblich zur antiimperialistischen Interpretation der Beziehung zwischen dem Tessin und der Schweiz beigetragen, die zwischen Airolo und Chiasso noch nicht vergessen ist.

Jürg Bischoff

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2000
Zum zwanzigsten Todestag des Tessiner Autors ist kürzlich dieser Band, "eine Sammlung von Geschichten und Geschichtlichem" erschienen, schreibt "bär" in seiner Kurzrezension. Um den Tessin, die Härte des Lebens in alten Zeiten geht es hier, und der Rezensent freut sich über genaue Beschreibungen und historische Kenntnis der Verhältnisse einer armen Bergbauernschaft und ihres Zwangs zur Auswanderung. Entnervt ist er jedoch über moralische Winke mit dem Zaunpfahl á la "das Weihnachtsfest eines Bankiers könne unzählige kleine Chinesen satt machen"; darüber verliert man, schreibt er, "bisweilen das Interesse an den spannenden Informationen".

© Perlentaucher Medien GmbH

Über den Autor

Plinio Martini lebte von 1923-79 in Cavergno im Maggiatal als Volksschullehrer, Lyriker, Romancier und Erzähler.
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