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Fest in Rima
 
 
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Fest in Rima [Sondereinband]

Plinio Martini
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Produktinformation

  • Sondereinband: 150 Seiten
  • Verlag: Limmat Verlag (August 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 385791338X
  • ISBN-13: 978-3857913389
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.613.889 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Sprecher seines Volkes

Zwei Bücher von Plinio Martini

Der Tessiner Schriftsteller Plinio Martini (1923–1979) hat mit seinem 1970 erschienenen Roman «Il fondo del sacco» («Nicht Anfang und nicht Ende») die Literatur der italienischen Schweiz aus den Fängen der Idylle befreit, in welche die beiden Meister der ersten Jahrhunderthälfte, Francesco Chiesa und Giuseppe Zoppi, sie getrieben hatten. Das Buch bewies, dass auch die Erfahrungen der engen, provinziellen Welt des Tessins zu Literatur werden konnten.

An einem Vortrag an der Universität Zürich im Jahr 1972 sagte Martini freilich, «Il fondo del sacco» sei nicht aus literarischem Ehrgeiz geschrieben worden, sondern aus der «inneren Notwendigkeit», Zeugnis vom jahrhundertealten Überlebenskampf der Menschen in den Tessiner Bergtälern abzulegen. Deutlicher als im Roman wird das Vorrecht, das Martini der Dokumentation gegenüber der Literatur gewährt, im Band «Fest in Rima» spürbar, der laut dem Untertitel «Geschichten und Geschichtliches aus den Tessiner Tälern» enthält und in diesem Jahr vom Limmat-Verlag neu aufgelegt wurde. Es sind Prosaarbeiten zwischen Artikel und Kurzgeschichte, welche die Menschen, die Bräuche und die Sprache des heimatlichen Val Bavona (eines Nebenarms des Maggiatals) zum Gegenstand haben.

Noch stärker ist die Notwendigkeit, ja Leidenschaft, welche Martini inspirierte, in vielen seiner Artikel und Vorträge zu spüren, die Ilario Domenighetti unter dem Titel «Nessuno ha pregato per noi» zum 20. Todestag des Schriftstellers aus dem Maggiatal herausgegeben hat. Sie dokumentieren Martinis Anspruch, Sprecher zu sein «della mia gente», das heisst der Leute des eigenen Tales und der Laien in der Kirche. Auch diese Texte befassen sich bis zur Obsession mit den für Martini typischen Themen: mit der Grausamkeit der Natur, dem harten Leben der Bergler, der Isolation der Dorfgemeinschaft, dem Unglück der Emigration. Wie «Il fondo del sacco» sind sie von Zorn und Trauer erfüllt; nur ist die Trauer des Erzählers im Roman über den unheilbaren Bruch, den die Auswanderung nach Kalifornien bewirkte, zur Trauer des Journalisten Martini über den Niedergang der bäuerlichen Kultur seines Tals geworden. Und der Zorn gegen das Schicksal, in das heimatliche «Tränental» hineingeboren zu sein, der «Il fondo del sacco» prägt, trifft in Martinis Artikel jene Politiker und Priester, die das Volk für dumm verkaufen.

Der Kampf um eine gerechte Entschädigung für das Wasser der Maggia, das die Kantonsregierung an die Deutschschweizer Elektrizitätswirtschaft verschachert hatte, und die enttäuschte Hoffnung auf eine wahre Erneuerung der Kirche, die Johannes XXIII. und das von ihm einberufene Konzil geweckt hatten, lassen Martini zu einem scharfen Polemiker werden, der im Tessin der sechziger und siebziger Jahre einige Irritation ausgelöst hat. Mit «Nessuno ha pregato per noi» erscheint das Bild des Schriftstellers als Anwalt des Volkes, in dessen Rhetorik («die fetten Städte der deutschen Schweiz») jene von Drittwelt-Intellektuellen seiner Zeit anklingt. Dank seiner Glaubwürdigkeit als Bergler, Katholik und Maggiataler hat Martini damit wohl massgeblich zur antiimperialistischen Interpretation der Beziehung zwischen dem Tessin und der Schweiz beigetragen, die zwischen Airolo und Chiasso noch nicht vergessen ist.

Jürg Bischoff

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2000
Zum zwanzigsten Todestag des Tessiner Autors ist kürzlich dieser Band, "eine Sammlung von Geschichten und Geschichtlichem" erschienen, schreibt "bär" in seiner Kurzrezension. Um den Tessin, die Härte des Lebens in alten Zeiten geht es hier, und der Rezensent freut sich über genaue Beschreibungen und historische Kenntnis der Verhältnisse einer armen Bergbauernschaft und ihres Zwangs zur Auswanderung. Entnervt ist er jedoch über moralische Winke mit dem Zaunpfahl á la "das Weihnachtsfest eines Bankiers könne unzählige kleine Chinesen satt machen"; darüber verliert man, schreibt er, "bisweilen das Interesse an den spannenden Informationen".

© Perlentaucher Medien GmbH

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen per la mia gente..., 29. Mai 2002
Von 
K. Tippmann "altravita.de" (Verbania, Italien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Fest in Rima (Sondereinband)
"Fest in Rima" ist eine Sammlung zu unterschiedlichen Zeiten veröffentlichter anekdotischer Skizzen, die anhand von Alltagsbegebenheiten, Erinnerungen und profunder Kenntnis der Geschichte der Valmaggia heraus ein präzises Bild der Kultur der Alpentäler zeichnen. Dabei ist Martini ganz vehement um Genauigkeit bemüht und setzt jedem Klischee der Tessinliteratur eine Schilderung seines Ausschnitts der Wirklichkeit entgegen: Romantisierende Schilderungen von blumenduftenden Almmädeln werden in "Fest in Rima" durch naive, mit Säufern verheiratete und in bitterer Armut hausende Ziegenhirtinnen durchkreuzt. "Spielzeughäuslein, die wie an den Berg geklebt erscheinen" präzisiert er als Häuser, deren zentnerschwere Dachplatten oft genug von den Frauen hunderte Höhenmeter weit herangeschleppt wurden. Dem von ihm leidenschaftlich aus dem Wege gegangenen Heimatautoren Giuseppe Zoppi setzt er in der Titelgeschichte eine begeisterte Schilderung von dessen eigenem erdigen, authentischen und unterhaltenden Bruder - "den freimütigsten und heitersten Menschen von der Welt, Älpler, Gastwirt und Kaufmann" entgegen.

Dabei ist Martini nicht genug zu danken, weil er als einer der wenigen darum bemüht war, die Alltagskultur der tessiner Alpentäler vor dem Vergessen zu bewahren. Eine Kenntnis der Alltagskultur, die derzeit noch in den Erinnerungen der jetzt 90-jährigen lebendig ist, für die sich die Jungen aber schon nicht mehr interessieren und die in einem knappen Jahrzehnt ausgelöscht sein würde, weil die Hirten und Wilderer, die Priester und Bergbauern nicht auf die Idee kamen, Ihr armseliges Tagwerk würde es das Wert sein.

Was das beste ist: "Fest in Rima" ist - wie "Requiem für Tante Domenica" - auch noch eine Freude zu lesen, scharfzüngig und pointiert geschrieben, immer mal einen deftigen Seitenhieb auf den Klerus oder die verniedlichende Dichterschaft enthaltend, mit seltener Beobachtungsgabe für die Metaphern des Alltags und einer klaren und poetischen Sprache, die auch in der hervorragenden deutschen Übersetzung nichts an Schönheit verliert, dabei immer emotional und engagiert Stellung beziehend für "la mia gente" - seine Leute.

Martini ist einer der ganz wenigen Schriftsteller, die sich Verantwortung und Engagement bewahrt haben und trotzdem - oder gerade deswegen - großartige Literatur hervorbrachten. Weit davon entfernt, die Vergangenheit seiner Heimat als "heile Welt" zu verniedlichen, sucht er die Erfahrungen der Vorfahren zu bewahren und zieht zeitweise kraftvolle Bilder aus dem Ärmel, wie sehr wir uns in Gedanken, Werten und mangelnder Achtung schon von diesen entfernt haben.

Piero Bianconi, sein väterlicher Freund und literarischer Weggefährte, schreibt in seinem Nachruf 1979: "Der Tod hat grausam einen Baum gefällt, der noch nicht all seine Früchte hergegeben hat." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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