Irgendwann in den 40er Jahren in Los Angeles.
Robert de Niro und Robert Duvall spielen zwei irischstämmige amerikanische Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Desmond (de Niro) Monsignore und rechte Hand seines Kardinals ist, arbeitet Thomas als Sergeant bei der Polizei. Als auf einem verwahrlosten Grundstück die Leiche einer Prostituierten gefunden wird, weisen die Spuren in Kirchenkreise und stellen beide Brüder vor existentielle Entscheidungen.
Sie verkehren in zwei völlig verschiedenen Welten: Desmond als katholischer Priester und zuständig für die Finanzen des Bistums, jongliert mit Millionen. Er spielt Golf mit den Reichen und Einflussreichen, speist in noblen Restaurants, tritt vornehm auf; Diplomatie und die Vermeidung von öffentlichen Konflikten ist ihm zur zweiten Natur geworden.
Thomas erlebt sich eher als Gescheiterten, seine Ehe ist zerbrochen, Tag für Tag schlägt er sich in lärmenden Büros und auf der Straße mit Gesindel herum und hat seine Wut oft nicht unter Kontrolle. Er kennt Bordellbesitzer, Gauner und Ganoven und hat sich auch schon für Gefälligkeiten bezahlen lassen.
Wenn man genauer hinsieht, verbirgt sich hinter Thomas' ungehobeltem Auftreten und Desmonds gewandter Eloquenz viel Gleiches: Beide kennen sich aus mit Intrige und Täuschung, beide sind bis zu einem gewissen Grad käuflich, beide dienen einem übergeordneten System, Staat, bzw. Kirche, in dem Korruption grassiert, beide haben darin ihre einstigen Ideale aus dem Augen verloren. Thomas' Wut, Ausdruck seines Ringens um Gerechtigkeit, stößt gegen die Macht einflussreicher Männer; Desmonds Glaube an Gott und seine Verantwortlichkeit für die Menschen sind verschüttet unter der Macht der Kirche, auch wenn er deren williger Diener ist.
Erwartet man aufgrund der Inhaltsangabe, einen Krimi zu sehen, könnte man enttäuscht werden. Der Fall der Prostituierten ist einfach aufgebaut, eingleisig ohne Verwicklungen, und die Person des Mörders steht in keiner Passage im Vordergund. Von spannenden und actionreichen Szenen ist man weit entfernt, im Gegenteil, viele Szenen sind breit angelegt, ruhig und verhalten gefilmt. Aufschlussreich ist für einen Interessierten der Blick hinter die Mauern eines Kardinalspalastes der vorkonziliaren Zeit in der Hoffnung, dass die dargestellten Machenschaften der Historie angehören - ob man es glaubt, steht auf einem andern Blatt.
Über die schauspielerischen Fähigkeiten der beiden Hauptdarsteller braucht man nicht viele Worte zu machen, nicht umsonst gehören sie zur ersten Garde. Erstaunlich ist höchstens die kühle Distanziertheit, die de Niro der Figur des Desmond gibt und wie er den Überdruss an kirchlichem Klüngel als Müdigkeit darstellt.
Eine Bemerkung am Rande: Etwas befremdlich wirkt der auf das Alter von 60-65 zurechtgeschminkte de Niro in den Anfangs- und Schluss-Sequenzen. Als der Film gedreht wurde, war er 38 Jahre alt, und heute weiß man, wie er mit 60 / 65 tatsächlich aussieht.
Vor einigen Jahren lief der Film unter dem unpassenden Titel "Gefährliche Beichte" durch die dritten Programme. Dass er jetzt unter "Fesseln der Macht" gezeigt und angeboten wird, entspricht seinem Inhalt wesentlich besser.