Vorab muss ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihen über eine Autorin, die hochgebildet ausgreift in die Philosophiegeschichte, die sich fast skrupulös den Extremen versagt, die das Politische einbezieht und die hochdifferenziert ihren eigenen, originellen Denk- und Theorieweg erarbeitet. Wir Leser dürfen ihr bei dieser Arbeit zuschauen und ihr Ergebnis zur Kenntnis nehmen.
Was meint dieser Titel? Der Titel verheisst nichts Gutes. Er umschreibt eine psychische Welt, die nicht ohne Idealisierungen und Abwertungen auskommt, unter der alle leiden, Frauen und Männer, in der niemand die nötige Anerkennung erlebt.
Dagegen setzt Benjamin das Konzept der Intersubjektivität, die den Raum zwischen den Menschen erfasst und insofern den Innenraum, das innere Erleben absetzt. Das Ziel ist, die Ideale und Abwertungen abzulösen und durch Gleichgewichte, Balancen und ausgehaltene Spannungen zu ersetzen, die indessen ausschlagen dürfen. Das Ziel ist allen Subjektstatus zu verleihen und alle menschlichen Erfahrungen allen zugänglich zu halten, ohne etwas abspalten zu müssen. Kein Zweifel, ein schönes, menschenfreundliches Ziel.
Wenn man, wie Benjamin, von den freudschen Ideen ausgeht, dann bedarf der Weg dahin erheblicher Denkanstrengungen und vieler Phantasie. Ich bin viel zu wenig bewandert in diesem Feld, um ein Urteil zu fällen, aber es ist hochinteressant und sehr unterhaltsam, Benjamin in dieser Anstrengung zu folgen.
Benjamin schreibt trotz der grossen Übersicht über die Geistesgeschichte sehr lesbar. Niemand wird es schwierig finden, dieser interessanten Autorin zu folgen.