Max Shannon ist Cop aus Überzeugung. Er fühlt sich den Opfern von Gewaltverbrechen gegenüber verpflichtet, die Täter zur Strecke zu bringen. Trotz seiner Ermittlungserfolge ist er den Psy/Medialen, die das Justizsystem beherrschen, eher unbequem, da er durch eine angeborene natürliche Abschirmung vor telepathischen Manipulationen geschützt wird. Umso überraschender kommt sein neuester Auftrag, eine Reihe verdächtiger Todesfälle aufzuklären, die im Umfeld eines hochrangigen Psy-Ratsmitgliedes aufgetreten sind. Ebenso unerwartet wird ihm als Partnerin Sophia Russo zugewiesen, die zu den seltenen Justiz-Medialen/J-Psy gehört. Diese werden nur bei schlimmsten Kapitalverbrechen eingesetzt, da sie in den Erinnerungen der Täter telepathisch wichtige Hinweise aufspüren und diese direkt telepathisch an die Ermittler weiterleiten können. Sophia hat den Umgang mit den Gedanken der soziopathischsten und perversesten Täter, der wie Säure die Schilde der Medialen auffrisst, länger überstanden als ihre Kollegen. Nach 12 Jahren im Dienst sind ihre Schilde allerdings so dünn und brüchig, daß eine Rehabilitation - und Auflösung ihrer Persönlichkeit - nur noch eine Frage der Zeit scheint...
In dieser Folge der Serie spielen die Changelings nur durch ihre Verbindung zu Max, der mit einigen Mitgliedern von Dark River befreundet ist und der bereits in einer früheren Folge einen kurzen Auftritt hatte, eine Rolle. Die beiden Hauptfiguren sind der menschliche Cop, der bis auf seine Abschirmung über keine außergewöhnlichen Fähigkeiten verfügt, und die durch ihre Konditionierung tief traumatisierte und von der bevorstehenden Rehabilitation bedrohte Mediale Sophia. Sie kämpft nicht nur mit ihrer Konditionierung und ihren zunehmenden Emotionen für Max, sondern auch gegen ihre weitaus dunkleren Impulse der J-Psy, die durch die fast unerträglichen Kontakte mit den übelsten Gewaltverbrechern leidenschaftlich nach Rache und einer Selbstjustiz verlangen. Diese kann fast biblische Ausmaße annehmen, wenn die Täter telepathisch gewzungen werden, sich selber das zuzufügen, was ihre Opfer erleiden mußten.
Die Grundstimmung der Handlung ist dunkler als in den bisherigen Folgen und liest sich oft mehr wie ein Justizthriller mit Anklängen an "Das Schweigen der Lämmer" bis "Criminal Intent". Die Spannung zwischen Max und Sophia, durch ihre gegenseitige Anziehung wie ihre unterschiedliche Auffassung von Gerechtigkeit, unterlegt den ganzen Plot und ist gut gezeichnet. Sophia ist eine überaus interessante Heldin, die ihre eigene Stärke aufweist und selbst um Lösungen sucht, anstatt sich nur auf einen Retter in der Person von Max zu verlassen. Sie hat ihre dunklen Seiten und Abgründe, die zusammen mit dem Plot für viel Spannung sorgen. Auch die Rahmenhandlung um den Rat und seine Mitglieder wird entscheidend vorangebracht. Es gibt also viel Neues und Interessantes, vorwiegend auf Seite der Medialen/Psy.
Wer eine Folge mit der klassischen Psy-Changeling-Paarung erwartet hat, wird vielleicht anfangs überrascht sein; der Schwenk vom bisherigen Muster ist aber so gut gelungen, daß sich das Lesen lohnt. Einziges Manko ist die zu einfache Lösung des Handlungsstranges um die Vergangenheit von Max und die aufgesetzt wirkenden Zitate aus Aufzeichnungen der beiden Hauptfiguren am Anfang jeden Kapitels, die die Handlung nicht wirklich voranbringen. Sonst hätte es glatte 5 Sterne gegeben.