Kurz und bündig:
Fünf Sterne für einen gut gemachten Vogelkäfig
+++ = Drehbare Futternäpfe
+++ = Größe für 4 Wellensittiche mit Freiflugmöglichkeit
++ = Material und Verarbeitung
+ = Zerlegbar
o = Zubehörteile teilweise minderwertig
-- = Transportverpackung äußerst mangelhaft
Zu Risiken und Nebenwirkungen hier das Kleingedruckte:
Nachdem unser alter Vogelkäfig, ein Ferplast "Canto", ziemlich in die Jahre gekommen und für unsere von 2 auf 4 gewachsene Geierschar zu klein geworden ist, musste endlich mal ein neues Vogelheim her. Die Größe war recht einfach festzulegen: Nachdem bei uns jeden Abend eine Schlägerei ausbricht, wer auf den beiden Schaukeln schlafen darf und wer mit den Sitzstangen im Eulenwinkel vorlieb nehmen muss, war klar, dass der neue Käfig Platz für 4 Schaukeln haben muss. Zu groß sollte er auch nicht sein, damit er noch einigermaßen zu handhaben ist, z. B. wenn die Geier in der Urlaubszeit zu den Schwiegereltern verfrachtet werden müssen. Groß ist die Auswahl in diesem Segment nicht und mit Ferplast waren wir eigentlich sehr zufrieden. Also kamen der Piano 7 und der Piano 6 in die engere Wahl. Der Piano 7 war uns dann doch etwas zu groß und dadurch zu unpraktisch bzw. unhandlich (auch in den Details, z. B. nur eine Schublaude in dem riesigen Kasten). Der Piano 6 schien von den Abmessungen her und auch sonst recht passabel zu sein. Die Kaufentscheidung wurde uns durch div. Produktbesprechungen auf einschlägigen Websites und durch die Rezension von MelGo (Danke!) hier bei Amazon erleichtert.
So viel zur Ausgangslage.
Transportschaden:
Nach der Bestellung wurde der Käfig innerhalb von zwei Tagen durch Hermes geliefert, die Versandverpackung war äußerlich unbeschädigt. Leider waren nahezu alle Plastikteile beschädigt oder sogar komplett zerbrochen. Das lag daran, dass die Einzelteile zwar sauber zusammengelegt und in eine Folie eingeschweißt waren (siehe Bild 1), aber dieses Paket ohne Dämmung wie Styropor, Pappe oder sonstige Transportsicherung in einen Karton gepackt wurde. Unser Käfig scheint wohl unterwegs ein paar rustikale Schläge eingesteckt zu haben und war so zum Totalschaden geworden. Ich möchte allerdings Ferplast keinen Vorwurf machen, denn ich vermute, dass der normale Lieferweg über Palettenversand an Zoohandlungen geht. Einen Einzelversand werden die nicht vorgesehen haben. Zum Glück bei Amazon gekauft: Kostenlose Rücksendung und Ersatzlieferung. Beim zweiten Anlauf war dann alles in Ordnung.
Zusammenbau:
Der Käfig ist zerlegbar und besteht aus folgenden Einzelteilen (Bild 2): Bodenwanne mit zwei Sandschubladen (Kunststoff), vier Seitenteile (schwarz lackiertes Metallgitter), vier Kunststoffprofile als Eckverbinder, vier Kunststoffwinkel (plus ein zusätzlicher als Ersatz) als Gegenstabilisierung zum Dach und das Dach selbst mit einem Kunststoffrahmen und dem bereits eingefügtem Metallgitter. Der Zusammenbau ist einfach, vier statt zwei Hände sind vorteilhaft. Das Dach wird verkehrt herum auf den Boden gelegt, danach das erste Seitenteil im Dach eingesteckt und das Eckprofil über die Gitterkante geschoben, dann nächstes Seitenteil ins Profil einfädeln und im Dach einstecken, Profil, Seitenteil usw. Zum Schluss werden die Profile mit den Kunststoffwinkeln stabilisiert. Wer's genau wissen will kann auch die Montageanleitung auf der Ferplast Homepage herunterladen. Jedenfalls auch für Grobmotoriker problemlos zu bewerkstelligen. Der fertig zusammengefügte Käfig stützt sich selbst und ist erstaunlich stabil (Bild 3). Bei Bedarf kann der Käfig wieder zerlegt werden - ich wüsste allerdings auf Anhieb nicht, warum ich das tun sollte.
Drehbare Fressnäpfe:
Absolut genial sind die vier drehbaren Fressnäpfe Typ "Brava 2". Da haben sich die Ragazzi von Ferplast wirklich was einfallen lassen. Man kann die Näpfe füllen bzw. herausnehmen, ohne in den Käfig zu greifen und ohne das einer der Insassen ausbüxt, indem man die Verriegelung löst und den Napf nach außen dreht. Echt gut gemacht, wie vom Raubtierkäfig im Zoo abgekupfert. Wer's wieder genau wissen will: Auf der Ferplast Homepage sind Bilder und eine Beschreibung unter Produkte>Vögel>Zubehör für Käfige>Futterbehälter>Brava 2
Weiteres Zubehör:
Das weitere Zubehör ist reichhaltig (Bild 2), aber in Qualität und Ausführung nur durchschnittlich bzw. für den relativ hohen Kaufpreis etwas minderwertig. Zwei Kunststoffsitzstangen, zwei Wasserspender, zwei unterschiedliche Fressnäpfe zum ins Gitter einhängen, ein Spiegelchen und zwei Kolbenhirse-Halter. Löbliche Ausnahme ist die Sitzstange "Flex" zum Selberbauen, ein Steckspiel aus lauter kurzen Plastikzylindern und Kugelverbindern, mit dem man abenteuerlich gebogene Sitzstangen bauen kann. Das ist witzig. Wir haben aber nichts von dem mitgelieferten Zubehör für unseren Käfigausbau verwendet.
Innenausbau:
Für den Innenausbau (Bild 4) haben wir verschieden dicke und gebogene Obstbaumäste verwendet. Vor den Fressnäpfen befinden sich gerade Kiefern-Rundhölzer. Die Sitzstangen wurden von mir mit 23mm Karosseriescheiben, 10mm Kunststoffscheiben und 4x30 Treibschrauben befestigt. Dazu kommen noch vier Naturholz-Schaukeln und eine lange Naturholzleiter. Alles natürlich separat gekauft oder gesammelt bzw. selbstgemacht.
Fein-Tuning: Edelstahl statt Plastik
(Achtung: Eigenbau - nicht im Lieferumfang enthalten!)
Nachdem mich dann noch die Bastelwut gepackt hat, habe ich die Plastikeinsätze der Brava 2 Fressnäpfe durch 75 mm Edelstahlnäpfe ersetzt. Mit einer normalen Haushaltsbohrmaschine und 100mm- und 300mm-Kabelbindern kann die drehbare Konstruktion nochmal aufgewertet werden. Man kann es auf dem Endausbaubild (Bild 4) bzw. auf den Detailbildern (Bild 5 & 6) gut erkennen. Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Eigenbau und zusätzlich gekaufte Teile handelt, die NICHT im Lieferumfang enthalten sind. Nicht das jemand enttäuscht ist. Wer am "Bauplan" interessiert ist, kann sich ja über die Kommentarfunktion melden.
Fazit:
Der Käfig ist ein rundum gelungenes Produkt für max. 4 Wellensittiche mit Freiflugmöglichkeit. Die schlechte Transportverpackung ist ärgerlich, beeinträchtigt aber nicht die Funktionalität - solange das Teil unbeschädigt angekommen ist. Daher führt das auch nicht zur Abwertung.
*********** Update 06.11.2011 ***********
Tierpsychologie oder "Der Mensch denkt - das Tier macht, was es will"
Vor gut drei Wochen haben wir unserer Bande den neuen Käfig untergeschoben. Weil unsere Geier den ganzen Tag im Zimmer frei herumfliegen können, konnten wir den Tausch recht einfach durchführen: Alter Käfig weg, neuer Käfig hin. So weit, so gut.
Allerdings hatten wir die Rechnung ohne unsere kleinen, gefiederten Freunde gemacht. Die hatten natürlich sofort gerafft, dass im Zimmer etwas "Anders" ist und bildeten im am weitesten entfernten Zimmereck einen kleinen, gefiederten Haufen. Uns war schon klar, dass sie sich erstmal an das neue Dingsda gewöhnen müssten, aber dass es so heftig würde...
Tag 1 mit dem neuen Käfig bestand zunächst aus Schockstarre, dann aus vorsichtigem Ignorieren. Übernachtet wurde natürlich nicht im Käfig, obwohl die Biester eigentlich jeden Abend ganz von alleine zum Schlafen rein gehen. Tag 2 war dann dem Wiedererlagen der Lufthoheit im Zimmer gewidmet. Unser schöner neuer Käfig mit Super-Edelstahlnapf und Sitzstangen-Patentverschraubung wurde geschmäht. Auch ein Locken mit Leckerle und Lieblingsspielzeug war vergeblich. Die Nacht mussten unsere Heimatvertriebenen wieder im Baum verbringen. Tag 3 brachte immer noch nicht die Entscheidung. Zwar wurden erste Annäherungsversuche gemacht und ein Mutiger traute sich schon mal, auf dem Käfigdach zu landen - das war es aber auch schon wieder.
Am Abend des dritten Tages wurden die Geier dann eben zwangsverfrachtet. Sofort zeigte sich, dass vier Schaukeln für vier Terror-Vögel eigentlich eine gute Idee sind, allerdings will nun jeder immer auf der Schaukel des anderen sitzen. Die Schlägerei war nun wieder voll im Gange - da war es auch egal, dass dies in einer völlig neuen Umgebung stattfand.
Für vier Tage mussten die Rabauken in ihrem neuen Haus bleiben, aber es zeigte sich schnell, dass sie damit problemlos klarkommen. Der Käfig ist ausreichend dimensioniert und bald hatten sie sich an die neue Einrichtung gewöhnt und gingen wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: kleine, gefiederte Haufen bilden und sich gegenseitig unter enormer Geräuschentwicklung auf den Wecker zu gehen. Apropos Haufen: Manchmal glaube ich, eine Schuhschachtel würde für die vier auch genügen, so wie die aufeinander sitzen.
Als wir dann am fünften Tag die Käfigtürchen wieder aufmachten, blieben sie erst noch ein Stündchen drin, zogen dann aber ihre Runden (man merkte schon, dass ihnen die Bewegung gefehlt hat) und waren am Abend brav zur Schlägerei um die Schaukeln wieder im Käfig. Inzwischen hat sich unsere Geierbande schon so auf den neuen Käfig eingestellt, dass man meinen könnte, sie hätten den alten längst vergessen.
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