Beschaulich und alltäglich geht es zu in Floridsdorf, dem 21. Wiener Gemeindebezirk. So auch im Café Heller, dem Wirkungskreis des Obers Leopold W. Hofer, das sich mitten im Zentrum Floridsdorf befindet.
Leopold fristet sein eher langweiliges Dasein, geplagt mit einer neugierigen Chefin, einem pedantischen Kollegen und seinen Freunden Thomas und Stefan, denen er immer wieder aus der Patsche hilft.
Doch eines Tages passiert endlich etwas Spannendes! Eine der Stammkundinnen des Café Heller, die "süße" Susi, wurde in ihrer Wohnung ermordet! Genau das richtige für Leopold Hofer, dessen geheime Passion die Aufklärung von Verbrechen ist.
Er ergreift seine Chance und trifft noch vor der Polizei in der Wohnung Susi Niedermayers ein und sucht nach Hinweisen auf den Mörder. Die Nachbarin Frau Ivanschitz scheint ihm gleich verdächtig, doch die bald eintreffende Polizei sieht das überhaupt nicht so und verbittet sich Leopolds Einmischung. Glücklicherweise ist sein guter Freund Inspektor Juricek mit dem Fall betraut worden und bindet ihn zu seiner Freude in die Ermittlungen mit ein.
Er soll sich im Klub "Fernweh", einem Verein für ältere Menschen, die sich für Reisen interessieren, umhören und nach Susis Mörder Ausschau halten, denn dieser Klub schien neben Melange und Apfelstrudel Susis einziger Lebensinhalt zu sein. Natürlich hält Leopold sich nicht an diese Einschränkung und ermittelt auf seine Art zusammen mit seinem Freund Thomas Korber. Schnell gibt es mehrere Verdächtige und Leopold und Thomas haben einiges zu tun, um schließlich den wahren Mörder zu entlarven...
Hermann Bauer hat mit dem Ober Leopold Hofer eine außergewöhnliche Hauptfigur geschaffen, die gerade durch ihre Macken sehr sympathisch ist, auch wenn der Leser manches Mal nachsichtig den Kopf schütteln mag über seine Vorgehensweise. Doch sein wienerischer Charme überzeugt und animiert trotz einiger träger Passagen dieses Krimis zum Weiterlesen.
Auch die Charaktere der Nebenfiguren sind gut durchdacht und angenehm schlüssig in die Geschichte eingebaut. So wird neben dem Kriminalfall noch über die Liebesbeziehung zwischen dem Lehrer Thomas Korber und seiner Schülerin Gabi berichtet, die unter keinem guten Stern steht. Korber entwickelt sich im Laufe des Buches ebenfalls zu einem Hauptcharakter und harmoniert perfekt mit Leopold.
Hier hat sich ein Ermittler-Duo gesucht und gefunden...
Der Autor verwendet viele österreichische Begriffe, welche die Wiener-Kaffeehaus-Atmosphäre beim Lesen noch angenehm verstärken. Die Begriffe werden entweder in einer Fußnote erklärt oder stehen übersetzt in Klammern hinter den jeweiligen Wörtern. Die Wörter in Klammern wirken sich leicht negativ auf den Lesefluss aus, schöner wäre es gewesen, wenn man sich nur für die Variante der Fußnoten entschieden hätte.
Alles in allem ist "Fernwehträume" ein Debüt, das sich sehen lassen kann. Ein Kriminalroman mit Lokalkolorit, dessen charmante Protagonisten sich einprägen und auf eine Fortsetzung hoffen lassen.