"Fernverhör" ist ein Interviewbuch, das im Jahre 1986 entstanden ist. Karel Hvízdala stellt Václav Havel auf ca. 250 Seiten sehr intelligente Fragen, auf die noch intelligenter und unheimlich ausführlich geantwortet wird. Dadurch bekommt man auf der einen Seite einen kurzweiligen, auf der anderen Seite aber auch einen authentischen Eindruck von Havels Leben. Und das kann sich sehen lassen. Künstlerisch und politisch hat Havel sich stets ausgiebig engagiert, und das in einem Land, in dem unabhängiges Denken und Schaffen Staatsfeinde waren. Man kann während des Lesens nur immer wieder den Hut ziehen vor einem Mann, der trotz Widerstände, Haftstrafen und Bedrohungen seine Ziele nie aufgegeben hat und solange für die Wahrheit kämpfte, bis sie schließlich gewann. Soweit reicht das Buch natürlich nicht vor, aber es wird 1989 schließlich das erste Buch, das von Havel frei in der CSSR publiziert wird. Eine zweite Auflage des Gesprächs gab es übrigens 2006 unter dem Titel "Fassen sie sich kurz". Für jemanden, der sich für das Leben von Havel interessiert, ist "Fernverhör" ein guter Einstieg. Was seine Gedanken und Philosophie angeht, so reichen andere Bücher noch tiefer.