Süddeutsche Zeitung, 23. August 2002
... Oesterle schildert mit so kraftvollen, experimentierfreudigen und treffsicheren Worten, daß sich heutige junge Städtebewohner vor lauter Urtümlichkeit darüber wundern können, daß es das Fernsehen von damals heute noch gibt. Oesterle lässt hinter aller Herbheit aber auch eine Art lyrischen Goldgrund sichtbar werden: Die Verse, die die Leute zu allen Lebenslagen parat haben, sind der unmittelbarste und knappste Ausdruck einer mündlichen Tradition, die mit dem Fernsehen in eine Krise gerät. Im Dokumentarischen aufmerksam und gescheit, schaut Oesterle mit liebe- und kauzig-humorvollem Blick den Leuten in die Stube ihres Lebens, ohne das Landleben zur Pastorale zu verklären. Er hat ein echtes und bildschönes Buch geschrieben.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Ein Junge im Alter von acht, neun Jahren erlebt 1960 den Einbruch des Fernsehens in die fast noch archaische, ganz bäuerlich-handwerkliche Welt seines Dorfes im Schwäbischen. Trotz eines elterlichen Fernsehverbot hockt er als Fernsehgast vor den Flimmerkisten überwiegend solcher Nachbarn, die erst nach dem Krieg ins Dorf gekommen sind. So lernt er die neue Welt zu sehen: die, aus der die schwarz-weißen Bilder kamen, und die ihm fremde, mitunter sogar unheimliche, in der seine Fernsehgastgeber leben.