Achtung, ich bin befangen: Mit dem Autor verbrachte ich einige Semester an derselben Uni, im Medien-Hamburg, das auch einen guten Tel der Szenerie dieses Krmis liefert, laufen wir uns regelmäßig über den Weg, und wenn ich es nicht schon wüßte, dann wäre spätestens nach der Lektüre von "Fernsehfieber" klar, das uns die große Liebe zu Hamburg, zum Segeln, zu auch sehr hanseatischer Anglophilie und ganz generell dem guten, schnellen und hedonistischen Leben verbindet. Insofern war bereits klar, das mich dieser Roman um eine Firmenübernahme in der Medienbranche, den Alltag eines TV-Senders und natürlich eine charmante Romanze fesseln würde. Hat er auch gemacht: Binnen zweier Tage habe ich das Werk verschlungen, mich dabei bestens unterhalten und angemessen unter Spannung gesetzt gefühlt und sogar noch einiges gelernt. Das es mit dem gelehrten Autor bei der Schilderung seiner offenkundigen Lieblingsthemen manchmal ein wenig durchgegangen ist, konnte ich aufgrund der oben geschilderten gleichen Affinitäten leicht verschmerzen: Ansonsten wären die sehr ausführlichen, nicht notwendig der Story dienenden Schilderungen des Segelns, über Jersey, die Hafencity in Hamburg oder jedes Detail der Produktion einer TV-Nachrichtensendern vielleicht ein wenig zu viel des Guten. Aber die story ist dann doch wieder schnell, überraschend und sexy genug, um das Tempo des Romans wieder aufzunehmen, und das am Ende weder das Gute noch das Böse abschliessend triumphieren, macht sogar Lust auf eine Fortsetzung.
Ach ja: Das ich mich bei der Figur des Senderchefs Krassnitzer erinnert fühlte an einen ehemaligen, kleinen, großspurigen Chef des Hamburger Ablegers eines Privatsenders, der seine Brötchen jetzt bei einem Berliner Großverlag verdient, ist sicher bloss reiner Zufall und völlig unbeabsichtigt. Und das ich mich deshalb über das Schicksal seines vermeintichen Alter Ego im Buch besonders freute, ein weiteres Ergebnis persönlicher Befangenheit.