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am 30. März 2001
fast zweihundert seiten darüber, daß der ich-erzähler beschlossen hat, mit dem fernsehen aufzuhören. klingt langweilig. ist es aber nicht. denn toussaint kommt, ganz seinen assoziationen folgend, immerwieder auf interessante gedanken über fernsehen und den menschen als solchen, kleine gut erzählte episoden - ehe sich der ich-erzähler dann doch wieder mit dem fernseher in seinem wohnzimmer konfrontiert sieht. kurzweilig erzählt, supergut übersetzt, eine klare, facettenreiche, witige, prägnante sprache.
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am 23. Februar 2002
Ein Buch, so langweilig und aufregend wie das Leben. Oder nein, eigentlich besser. Schwer zu ergründen, warum die Beschreibung des Älltäglichen, betrachtet mit der persönlichen Brille des Autors mich wach gehalten hat. Nichts zum auf einmal verschlingen. Man liest es Etappenweise. Eine Seite und man identifiziert sich schon wieder mit dem Erzähler und seinen Blick hinter die Kleinigkeiten des Alltags... Nun habe ich es leider nach 2 Monaten durch - Nun werde ich wohl wieder fersehen... Schreiben Sie Bitte noch so ein Buch, Herr Toussaint ?
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am 18. März 2001
1957 in Brüssel geboren, war er 1973 Juniorweltmeister im Scrabble. Zehn Jahre später schreibt Jean-Philippe Toussaint seinen ersten Roman "Das Badezimmer". Während dieser Zeit ist er in Médéa, Algerien als Französischlehrer tätig um dem Militärdienst zu entgehen. Der Roman "Monsieur" erscheint. Später wird "Das Badezimmer" verfilmt. Danach erscheint der Roman "Der Fotoapparat", währenddessen "Monsieur" verfilmt wird, unter seiner Regie. In Madrid schreibt er den Roman "Der Köder". "Der Fotoapparat" wird von ihm verfilmt. In Berlin dreht er den Film "Berlin 10H46'". Dann Kyoto. Jüngst ist der Roman "Fernsehen", übersetzt von Bernd Schwibs, in Deutschland erschienen. Ein Kunsthistoriker der krausen Art schaut kein Fernsehen mehr. Von heute auf morgen, nach dem Ende der Tour de France. Er ist in Berlin mittels eines Stipendiums, da er eine Studie über Tizian und Karl V. mit dem Arbeitstitel "Der Pinsel" schreiben will und er deshalb nach Augsburg muss, obwohl es von Paris bis Augsburg auch nicht weiter ist als von Berlin aus. Seine Frau weilt in Italien mit den beiden Kindern, eins an der Hand, das andere unter dem Herzen (wie theatralisch), und da hat sie wenigstens die eine Hand frei, weil sie ja immer viele Taschen benötigt. Wahrnehmung. Unser Kunsthistoriker hat also den Titel seiner Studie, und den Anfang: ‚Als Tizian'. Wirklichkeit. Und er erzählt einem Bekannten, er schaue nicht mehr fern - war es nicht Nietzsche, der zuerst sprach vom ‚Fernsehen'? Aber der Bekannte sagt, schon seit Jahren nicht mehr, und seine Frau, der er diesen stilisierten Entschluss mitteilt, sagt nur, ja, wir auch nicht so viel. Niemand schaut Fernsehen ausser ich. Er ist also in Berlin und das Pärchen über ihm bittet ihn nach den Blumen zu schauen während ihres Urlaubs, aber das fällt ihm erst drei Wochen später wieder ein. Ende der Botanik. Wenn der Bildschirm implodiert, dann gibt es Zeit für anderes. Sein Sohn fragt ihn am Telefon, warum er nicht kommt. Ein Buch schreiben. Fragt, wie es heissen wird. Gegenfrage: Wie würdest du es nennen? - Mimose. Zeit zu leben. Zu sehen statt fernzusehen. In einer Bibliothek ist jemand nett und schaut im Computer nach, unser Kunsthistoriker hält dann das Buch in der Hand, und das ist etwas anderes. Er geht an einen See in Berlin, nur nackte Menschen, und entkleidet sich (auch), nach und nach, um sich blickend, dann geht er ein paar Schritte, und unausweichlich trifft er seinen Stipendiumsbefürworter (ich benenn' ihn mal so), an dessen Seite Cees Nooteboom. Big brother is watching you. Natürlich besucht er das Café Einstein, und putzt Fenster mit einem Printmedium. Asiatenzeit. Es ist Sommer. Es ist heiss. Ein Film braucht kein Publikum, er läuft auch im leeren Kino. Wenn die literarische Belegschaft diesen fünften Roman von Jean-Philippe Toussaint unter Medienkritik subsumieren würde, Wahrnehmung unterstellt, sie würde fehlgehen in der Annahme. Mittendrin, diesseits der Kategorien, versteht Toussaint es jenseits der Zeit zu erzählen: What will be will be. Wer viel fernsieht, sollte das Buch lesen. Dann kommen die Nachbarn aus dem Urlaub zurück - unser Kunsthistoriker hat gerade die Bilder seines Sohnes aus dem Briefkasten geholt - Küsschen Küsschen, er trägt ihnen die Golfschläger nach oben, schreit, als ihm Sekt angeboten wird (weil mittlerweile ja ausser der einen Flasche Sekt auch noch der Farn im Kühlschrank steht), etwas zu laut Nein!, entschuldigt sich zur Toilette, klettert aus dem Badezimmerfenster durch das Küchenfenster - einfach filmreif, Slapstick. Er geht in Schwimmbäder (und vergleicht sie mit Bibliotheken), oder spazieren durch Berlin (in einem Museum sieht er die Gemälde auch, wenn auch kaum, auf den Bildschirmen der Videoüberwachung), und schaut abends aus dem Fenster: in den Fenstern vieler anderer Wohnungen dieses gespenstisch flackernde Licht. Natürlich gibt es Momente, in denen er sich fragt, "aus welchen Gründen ich eigentlich aufgehört hatte fernzusehen." Und er sieht, ausgestattet mit einer feinen Beobachtungsgabe natürlich vieles mehr als die handbeschrifteten Etiketten auf den Videokassetten seiner Nachbarn. "Denn während Bücher, zum Beispiel, stets tausendfach mehr bieten als das, was sie sind, bietet das Fernsehen genau das, was es ist, seine essentielle Augenblickshaftigkeit, seine laufende Oberflächlichkeit." © Volker Frick 2001
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am 4. Juni 2009
Die Vorrezensenten haben schon alles gesagt was ich auch gesagt hätte, deshalb mal ganz kurz: Mir hat das Buch gefallen. Ich vergebe einfach mal 4 Sterne weil es mich nicht umgehauen hat - dafür hätte es dann 5 gegeben.
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