Ein „Tausendfüßler in Wanderstiefeln" eröffnet das von Gerhard Schult und Axel Buchholz herausgegebenen Handbuch zum Fernsehjournalismus. Anhand dieser Spezies, die im Verlauf des Buches immer wieder vorkommt, stellt der Autor der Einleitung, Gebhard Plangger, dar, wie verschieden in Zeitung und Fernsehen über einen Wandertag berichtet wird. Zwei Texte werden dazu einander gegenüber gestellt, einer ist als Nachricht für eine Zeitung konzipiert, der andere, der Tausendfüßler, entpuppt sich im Laufe der kommenden Seiten als Text eines Nachrichtenfilms. Zum Tausendfüßler kommen Bilder und Töne, Wanderschuhe auf feuchter Straße und Stimmengewirr. Anhand des Ablaufs eines nur zwei Minuten langen Nachrichtenfilmes werden gleich zu Beginn des Handbuches Themen und Fertigkeiten, Hergänge und Probleme des Fernsehjournalismus formuliert. Dabei begnügt Plangger sich nicht mit einzelnen Schlaglichtern, sondern präsentiert in den folgenden zehn Seiten das gesamte Storyboard des kurzen Films. Schon im Einstieg bleibt das Handbuch so nicht bei flüchtigen Beobachtungen stehen, die sich schon im halb-interessierten Vorbeigehen erschließen würden. Nachvollziehbare Einstiege und detaillierte, informative Erläuterungen eignen dem Buch als Ganzem, weshalb es tatsächlich nicht nur eine erste Ahnung vom Fernsehjournalismus vermittelt, sondern für Leser mit genügend Muße und Interesse auch anhand verschiedener Übungsbeispiele einen durchaus praktisch relevanten und eingängigen Einstieg in die Theorie des Fernsehjournalismus bietet. Dabei überrascht das gelungene Zusammenspiel von Vielseitigkeit und Tiefe des Buches, das sich mit allen Aufgabenbereichen des Fernsehjournalisten befaßt.
Die schon in der Einleitung eingeführte Notwendigkeit der Vermittlung von Bild, Ton und Text für einen Fernsehbeitrag wird in einem ersten Abschnitt näher beleuchtet, wobei vor allem dem professionellen Umgang mit Bildern als Sprache viel Raum gegeben wird. Hierbei sorgt ein ausführlicher Übungsplan dafür, daß es nicht nur bei einer theoretischen Erläuterung bleibt, sondern auch das notwendige Sehvermögen Schulung erhält.
Nach diesen intensiven Einführungen in die Voraussetzungen des Fernsehjournalismus und seiner Gesetzmäßigkeiten werden ähnlich ausführlich und im steten Wechsel zwischen praktischer Darstellung und theoretischer Durchdringung Formen von Fernsehbeiträgen dargestellt und erläutert. Diese formalen und abstrakten Voraussetzungen des Fernsehgeschäftes werden ergänzt von einem eben so ausführlichen Teil über die praktische Umsetzung der Bilder und Formen. Der tatsächliche Ablauf einer Fernsehproduktion von der Planung zur Realisierung liefert hier das Gerüst für die einzelnen Beiträge, wobei etliche Details wie verschiedene Kameraausrüstungen und die besonderen Bedingungen von Studioproduktionen Berücksichtigung finden. Alle diese Abschnitte werden beispielsweise durch hilfreiche Checklisten ergänzt und nennen weiterführende Literatur zur intensiveren Auseinandersetzung. Seinen sinnvollen Abschluß findet das Handbuch in einem Abschnitt über Ausbildungswege und Kontaktadressen für den Einstieg ins Fernsehgeschäft. Das Handbuch eignet sich als interessanter Einblick für Einsteiger ebenso wie auch als Vertiefung oder kompaktes Nachschlagewerk für den geübten Fernsehjournalisten.