Ich habe oft bei Filmen und Büchern das Gefühl, dass Figuren sich nicht nachvollziehbar verhalten. Entscheidungen fallen, die völlig an den Bedürfnissen vorbeigehen oder Autoren bedienen sich aus der Versatzstück- und Klamottenkiste. Gerne werden Fehlentscheindungen von Protagonisten in Komödien und Satiren aufs Korn genommen, geändert hat sich nichts oder nur wenig. Wenn die Dramaturgie es erfordert, läuft die gejagte Blondine schon mal genau in die falsche (oder für die Spannung förderliche) Richtung. Natürlich geht man auch ohne hineinzusehen an einer offenen Tür vorbei. Wer sieht schon durch den Spalt zwischen den Türangeln...
McNab, oder der Mann, der sich so nennt, ist anders. Man kann (fast) jede Handlung nachvollziehen. Vielleicht nicht moralisch, aber auf jeden Fall pragmatisch. Nein, McNab und seine Romanfigur können keine Vorbilder sein. Man kann nur erwarten, dass man Einblick in die Situation eines Menschen gewährt bekommt, der unter Lebensgefahr steht. Dabei aber längst nicht so cool dasteht, wie ein beliebiger Held der zahlreichen Filmchen und Romanen. Auch habe ich bisher nichts gelesen, was allein aufgrund des Realismus so packend ist.
Warum das so ist, brauche ich an dieser Stelle nicht zu erklären, es reicht wenn man sich andere Kritiken durchliest oder bei einer beliebigen Suchmaschine Andy McNab eingibt.
Eine Kostprobe dessen, womit der Autor die Nerven seiner Leserschaft strapaziert? Bitteschön: Sie besuchen Ihren besten Freund, der mit eingeschlagenem Kopf im Wohnzimmer liegt. Sie sehen den teilweise gedeckte Esstisch und erinnern sich, dass besagter Freund und seine Frau immer darauf achteten, dass die beiden Töchter beim Tischdecken helfen.
Nein, es ist keine leichte Kost, eher ein Reality Shocker, der diese Bezeichnung verdient.