Wegen eines mittelschweren Deliktes wird der sechzehnjährige Andrew von der Schule verwiesen. Niemand interessiert sich für die Gründe, fragt den schmächtigen, introvertierten Jungen, was ihn dazu getrieben hat. Seine allein erziehende Mutter weiß sich ebenfalls keinen Rat und ist hauptsächlich mit der Pflege ihrer Disthymia beschäftigt. So wird der Knabe zunächst mal auf drei Wochen zu seinem knorrigen Großvater nach Kalifornien geschickt. Nach dem Tode seiner Frau lebt dieser eher zurück gezogen, achtet auch nicht auf die Avancen seiner sympathischen Nachbarin.
Was sich nun zwischen diesen drei sehr unterschiedlichen Charakteren an äußerer und vor allem innerer Wandlung vollzieht, gehört zum Rührendsten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Niemals kitschig. Und immer, wenn man glaubt "Vorsicht! Klischee." findet Jonathan Hull eine ungeahnte Wendung. Mal humorig, mal ernst. Tatsächlich versteht man jede Handlung und deren Motivation. Nichts wirkt hier ungereimt. Dabei bleibt die Story stringent auf volle Distanz. Selbst die zuweilen wechselnde Zeitebenen bringen einen nicht aus dem Fluß. Im Gegenteil. In ihrer erzählerischen Folgerichtigkeit erwecken sie erst recht die Neugier, wie's wohl weiter geht. Ein schönes Buch, das völlig zu unrecht niemals den Weg auf die Bestseller-Listen geschafft hat. Oder auch nicht. Wenn man bedenkt, was sich da so tummelt. Dann vielleicht doch lieber Geheimtip. Mein innger Lesetip ist's allemal.