so lesen sich alle keuns - und so auch dieser. "ferdinand" ist, neben dem kunstseidenen mädchen, mein lieblingsbuch von irmgard keun - beide ganz unterschiedlich und dennoch ganz köstlich.
romane von irmgard keun haben so etwas wie einen anfang und ein ende; und jede menge lesenswertes dazwischen. in diesem werk sind es vor allem die skurrilen typen und die an- wie einsichten der hauptfigur zu dem treiben um sich herum. herrlich ferdinands mutter laura, die bequemerweise jeglichem stress entschläft; der überraschend modern wirkende astrologe und esoteriker, der mit zunehmenden erfolg sein geschäft ausbaut, ...
es gibt so sätze/erkenntnisse, die bleiben im Gedächtnis haften, wie ferdinands wunschfantasien über ein eigenes auto, "niemand lebt billiger als die reichen leute", oder wie es gelingt "pfui"-Bilder dennoch zu veröffentlichen, welchen unterschied ein gewitter für die erotik im schlager oder der des früh(er)en films macht...
bittere medizin schmeckt mit zucker besser und tragische zeiten erträgt mensch mit bissig-unverdrossenem humor. schön in humoristische watte verpackt, liest man von den bedingungen der frühen nachkriegszeit am beginn des wirtschaftswunders und entdeckt vieles, was so noch immer gilt.
wer sich auf diese art literatur einlassen (ver)mag, wird bestens unterhalten. für mich eines jener bücher, die ich immer mal wieder mit genuss und gewinn lese.