Wenn ich könnte, würde ich hier sehr viel mehr als nur 5 Sterne vergeben. Ich kenne kein besseres Buch über den Grafen und den nach ihm benannten Konzern, denn hier erhält man:
* Eine Biografie von Graf Zeppelin
* Porträts seiner Mitstreiter und Nachfolger
* Die Entwicklung des Zeppelin-Konzerns, wobei der Schwerpunkt auf den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts liegt bis zum Unglück von Lakehurst bzw. der Zerstörung der letzten beiden Zeppeline im Jahr 1940. Die Nachkriegsgeschichte wird nur noch kurz gestreift.
Wer Wert auf Informationen legt, findet in diesem Buch sehr viel Wissenswertes, das zudem auch noch sinnvoll und übersichtlich gegliedert sowie klar verständlich formuliert ist.
Es beginnt mit den wichtigsten Erfindern der damaligen Zeit (gemeint 19. Jahrhundert und Beginn des 20. Jahrhunderts): Thomas Edison und das elektrische Licht (sowie ein paar andere Dinge), Henry Ford und das Konzept der Serienfertigung, Alexander Graham Bell und die Übermittlung von Tönen über eine Lichtleitung (damals Photophon genannt ;) sowie last but not least: Die Gebrüder Wright und ihre fliegerischen Erfolge.
Danach folgt ein Beitrag über den Grafen. Seine militärische Karriere. Ausführlich wird auf seinen Aufenthalt in Nordamerika während des Sezessionskrieges eingegangen und auf die Erfahrungen, die er dort sammelte. Die Nutzung von Ballonen für militärische Zwecke. Der erste "Flugzeugträger". Eigentlich ein Ballon-Träger ;-) Zurück in Deutschland setzte Zeppelin seine militärische Karriere fort, erst im Krieg gegen Preußen, dann 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg. Als er 1890 im Rang eines Brigadegenerals versuchte, die in Amerika gewonnenen Erkenntnisse in seiner Heimat umzusetzen, stießen seine Ideen nicht nur auf Wohlwollen, so dass Zeppelin mit 52 Jahren in den Ruhestand trat. Kein ruhiger Ruhestand, denn fortan widmete der Graf sich dem Luftschiffbau. Im Juli 1900 machte das LZ 1 seine erste Fahrt ... die 18 Minuten dauerte und mit einer Notlandung in Immenstadt endete. Weitere Versuche, weitere Luftschiffe folgten. Die technischen Probleme gingen einher mit einer Verknappung der finanziellen Ressourcen. Der Graf aber ließ sich nicht entmutigen. Zugute kamen ihm seine Verbindungen. Einerseits beim Einsammeln von Spenden und Zuschüssen, andererseits um Abnehmer beim Militär zu finden. Selbst das Unglück von Echterdingen, bei dem der LZ 4 zerstört wurde, konnte ihn nicht aufhalten. Es wurden in der Folge mehr als 6 Millionen Goldmark gespendet, um die Kosten auszugleichen. Kaiser Wilhelm II besuchte ihn gar persönlich in Friedrichshafen.
Neben Graf Zeppelin werden die wichtigsten Mitarbeiter des Zeppelin-Konzerns porträtiert: die Techniker und Geschäftsführer sowie die Kapitäne der Luftschiffe. Natürlich werden hier auch Differenzen deutlich. Ich will nicht sagen Machtkämpfe, aber wie in jedem Unternehmen gab es auch bei Zeppelin unterschiedliche Meinungen zur Ausrichtung, zu den Zielen. Der eine setzte sich durch. Ein anderer musste gehen. Alfred Colsman, der den Grafen bereits 1899 kennen gelernt hatte, und der nach einer steilen Karriere vom Grafen persönlich im Jahr 1915 zum Generaldirektor ernannt wurde, musste das Unternehmen 1929 verlassen. Seine vorsichtige kaufmännische Einstellung, seine geringe Risikobereitschaft standen im Gegensatz zu Hugo Eckener, den er einst selber eingestellt hatte. Eckener vertraute auf die Leistungsfähigkeit der Zeppeline. Nicht nur eine gelungene Atlantiküberquerung, mit dem LZ 127 reiste Eckener im Jahr 1929 um die Welt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sollte ihm dies jedoch nicht helfen. Eckener verlor seine Stellung im Jahr 1936. Woraufhin Kapitän Lehmann eine wichtigere Rolle im Konzern übernahm. Bereits 1937 sollte Kapitän Lehmann jedoch an den Brandverletzungen sterben, die er beim Unglück von Lakehurst erlitt.
Sehr ausführlich wird auf ca. 70 Seiten auf die Entwicklung des Konzerns und seine verschiedenen Standorte bzw. Gesellschaften eingegangen.
Der letzte Abschnitt fasst auf ungefähr 30 Seiten nochmals die geschichtliche Entwicklung zusammen: Bis zum Ersten Weltkrieg, während des Ersten Weltkrieges, die Zwischenkriegszeit sowie die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland.
Noch ein paar Formalitäten:
Die meisten Bilder sind schwarz-weiß, nur wenige Aufnahmen sind coloriert.
Anhänger von Statistiken werden sich sicherlich über die verschiedenen Aufstellungen freuen: Sei es die Liste der Flugzeuge des Heeres (natürlich mit technischen Details wie Motorausstattung, Typ, Serienangabe, Verbleib) oder die Angabe welche Luftschiffe in welcher Halle gebaut wurden.
Und der Autor?
Dr. John Provan wurde in den USA geboren. Sein Vater war fast 30 Jahre auf verschiedenen US-Basen in Deutschland tätig. Dr. Provan studierte an der University of Maryland und der Technischen Universität Darmstadt. Seine Promotion in Darmstadt betraf Luftschiffhallen. Seit über 35 Jahren beschäftigt sich Dr. Provan mit der Leichter-als-Luft-Fliegerei und hat schon mehrere Bücher hierzu in deutscher und in englischer Sprache veröffentlicht:
Der Flughafen Frankfurt, von der ersten Ballonfahrt bis heute,
LZ-127 "Graf Zeppelin" The story of an airship vol.2,
Hindenburg : die Glanzzeit der Zeppeline (Medienkombination mit Photo-CD), u.a.