Es wurden schon alle technischen Facts über die TK35 berichtet, daher will ich meine Review betont subjektiv halten, ein wenig schildern wie hell das "hell" dieser Lampe in der Praxis ist und einige Anwendungstipps (Akkus etc.) dazugeben.
Die Einschätzung der Qualität eines Produktes hängt sehr stark von den bisherigen Erfahrungen mit ähnlichen Produkten ab. Ich selbst entdeckte die Welt der "Super-LEDs" im Jahr 2000 mit der Fenix P1D, die - obgleich nur so groß wie ein Lippenstift - die hellste Taschenlampe war, die ich jemals gesehen hatte. Die Cree LEDs waren eine völlig neue Dimension tragbaren Lichts, so revolutionär wie die CD im Vergleich zur Schallplatte. Diese Revolution fand aber im Verborgenen statt, in Webshops und auf der Site der Taschenlampenfreaks, candlepowerforums.com. Diese "Erleuchteten" erlebten schon damals nie zuvor gesehene Power aus winzigen LED-Lampen, während die Masse noch heute, 10 Jahre später, Halogenlampen, "30 LED-Superstrahler" aus dem Baumarkt und LED-Lenser kauft. Welch faszinierend intransparenter Markt, fast eine Geheimwissenschaft...
Ich kaufte in diesen 10 Jahren die Fenix P1D, P2D und P3D, dann war die Sensation ausgereizt, zumal bekanntlich die vierfache Lumenmenge für das Empfinden doppelter Helligkeit nötig ist. Erst heuer, mit Einführung der Cree XM-L erwachte mein Interesse neu: Knapp 800 Lumen gegenüber 2-300, die zuvor das Maximum waren, das war spannend. Ich bestellte eine TK35, die von all den aktuellen Super-LEDs eine der hellsten ist und war... wieder genau so überwältigt wie vor 10 Jahren! Whow ' so viel Licht aus so einem kleinen Paket hat die Welt noch nicht gesehen. Leute, wenn Ihr bisher nur "Birnchenlampen" oder Halogen kanntet, wird euch diese Lampe völlig umhauen. Aber auch "Erleuchtete", die Q5 LEDs etc. gewohnt sind, werden überwältigt sein. Kaufen, ausprobieren - Hammer!
Was mich vor der Anschaffung beschäftigte, war die Frage "Throw" vs. "Spill". Bekanntlich neigt der Mensch dazu, eine Lampe mit extremer Bündelung und Reichweite (= Throw) punktuell heller zu finden als eine, die weniger weit, dafür breiter ausleuchtet (= Spill). Daher war ich sehr von der EagleTac M3C4 XM-L angezogen, die noch mehr Throw hat als die Fenix TK35.
Soeben war ich erstmals nachts 3 Stunden mit der Fenix im Wald unterwegs und jetzt hat sich auch diese Frage erledigt: Im finsteren Forst oder auf Feldwegen ist Spill, also eine breite Ausleuchtung bis 40, 50 Meter deutlich wichtiger als Throw. Die "wall of light", die die TK35 hier liefert, hilft, das gesamte Gesichtsfeld zu erhellen und gibt einem das gute Gefühl, alles im Blick zu haben. Viel besser, als mit dem hellen Punkt eines reinen "Throwers" weit vorne im Dunkeln hin und her zu "stochern".
Trotzdem ist es mit der TK35 kein Problem, im Turbo-Modus zB. 100-150 Meter über eine große Wiese zu leuchten und mit einem Schwenk zu sehen, ob dort jemand oder etwas ist. Im stockfinsteren Waldweg wirkt Turbo wirklich, als hätte man einen Autoscheinwerfer bei sich. Auch im Halbdunkeln, zB. in spärlich beleuchteten Wohnstraßen, reicht der Throw der TK35 locker, um auf 50, 60 Meter jede dunkle Ecke zu erhellen. Weiter muss man selten blicken, denn 50 Meter sind der natürliche Aufmerksamkeits-Fokus, alles darüber hinaus "kommt ohnehin erst später".
Noch etwas spricht für die exzellente Mischung aus Spill und Throw, die die TK35 bietet: Diese Lampe ist "tactical": Das heißt, der Schalter erlaubt kurze Lichtimpulse, so lange man ihn nur leicht antippt. Kommt man in einen dunklen Raum, reicht - dank exzellentem Spill - ein solcher "Lichschuss", um alles zu überblicken. Eine Lampe mit noch mehr Throw würde einen kleinen, gleißendhellen Fleck erzeugen, das Drumherum würde relativ dunkel erscheinen. Insofern ist die TK35 die Allzwecklampe schlechthin, auch für Anti-Terror-Einheiten ;-)
All das in einem Format, das noch voll jackentaschentauglich ist. Der Reflektor der M3C4 hat ca. 3-4 cm mehr Durchmesser, das ist dann schon so, als wolle man ein Kaffehäferl in die Tasche quetschen.
Die Leuchtdauer mit guten Akkus reicht von 1,2 (Turbo) bis 14 und mehr Stunden (Stufe 2). Bemerkenswert ist, dass im Bergwald schon Stufe 2 völlig reicht, um sich sicher zu bewegen, das sind dann 14 Stunden Licht aus einem Akkupack! Die Nacht darf also lang werden ;-) Umbedingt empfehlenswert ist die Anschaffung von 4 Stck. 18650 Akkus und ein gutes Ladegerät wie das Pila IBC (das es aktuell leider auf Amazon nicht gibt), denn mit CR 123 Batterien wird man schnell "arm". Der Ultrafire Lader, den Amazon anbietet tut's um die Hälfte des Geldes auch, aber man muss darauf achten, die Akkus gleich nach Volladung aus dem Gerät zu nehmen, denn der Lader lädt - zwar mit weniger Strom, aber doch - weiter und das verkürzt die Lebensdauer von Li-Ion-Batterien empfindlich.
Zum in einigen Rezensionen diskutierten Gelbstich des Beams: Ich habe bisher drei TK35 in natura gesehen. Das Licht einer davon (meiner ;-) war reinweiß wie ein guter HID-Scheinwerfer, zwei waren etwas gelblicher, dabei aber immer noch weißer als das Licht einer 100W Haushalts-Glühbirne. Die Freaks auf candlepowerforums nennen das die "Tint-Lottery", die Lichtfarben-Lotterie, die aus der immer noch großen Serienstreuung bei der Herstellung von LEDs resultiert. Ich persönlich mag reinweiß, aber es ist Geschmackssache und beides hat seine Vorteile: Etwas wärmeres Licht bildet Blattwerk deutlicher ab und ist allemal angenehmer als ein Blau- oder Grünstich. Reinweißes Licht macht vielleicht Indoors mehr her.
"White-wall-hunter", also "Leute, die auf weiße Wände leuchten", könnten den nicht 100% homogenen Hotspot bekriteln: Da die XM-L größer ist als die meisten Vorgänger-LEDs, ist ihr Spot nur mit sehr großen Reflektoren perfekt bündelbar. Das heißt, die meisten XM-L Lampen haben ein leichtes "Donut-hole", einen etwas dunkleren Fleck in der Mitte des hellsten Lichtkreises. Die viermal soviel Lumen der XM-L entschädigen dafür aber reichlich. Das "Donut" stört vielleicht beim "White-wall-hunting", aber eigentlich nicht im praktischen Gebrauch.
Summa summarum: die TK35 ist heute (Ende 2011) ein Must-have für Outdoors. Im Haus tut es für mich auch die deutlich kleinere und leichtere PD30 oder 31. Aber: Wann hat man schon zu viel Licht ;-)
____________________________________________________________________
Update 2/2012
Die TK 35 ist immer noch die stärkste Lampe, die ich jemals in der Hand hatte. Wenn ich heute zB. nur in den Keller muss, um die Heizanlage zu checken, brauche ich nicht lange überlegen, welche Lampe ich mir greife. Die beste eben. Alle andern Lampen sind OK zum Lesen im Bett oder auf der Terrasse, aber wenn eine "ernsthafte" Lampe gefragt ist, nehme ich die stärkste. Mit dem potentesten Batteriepack. Mit der breitest variierbaren Leuchtkraft. Früher dachte ich "size matters". Aber wenn es im Stiegenhaus raschelt und ich nicht weiß, was mich dort unten erwartet, dann greife ich nicht zu der kompaktesten, sondern zu der stärksten Lampe in meinem Portfolio. Nur mit dieser Lampe kann ich einen potentiellen Eindringling so blenden, dass ich ihn sehe - aber er mich nicht. Die TK35 ist nichts für EDC (also every day carry), dafür ist sie zu groß. Aber sie ist das beste Werkzeug, das ich - indoors und outdoors - habe. Und das macht sie zur bestmöglichen Ausrüstung in jeder Situation.
Kein Käufer - egal mit welcher Lampenerfahrung - wird die Anschaffung der TK35 bereuen.