Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Juwelendiebin Laure (Rebecca Romijn-Stamos) und der Paparazzo Nicolas Bardo (Antonio Banderas) sind Produkte und Opfer der Bilder- und Medienwelt. Als Laure sich bei einem überaus spektakulären Diebstahl während einer Filmpremiere im Rahmen des Festivals von Cannes entschließt, ihre Partner zu betrügen, folgt sie dem Vorbild all der Femmes Fatales, die Hollywood in seiner schwarzen Serie zugleich gefeiert und verteufelt hat. Sie ist davon überzeugt, dass es für Frauen wie sie nur einen Weg gibt, dem sie skrupellos folgen muss. So wird Laure zur Gejagten. Einzig und allein die zufällige Begegnung mit ihrer Doppelgängerin Lily rettet sie vorerst. Doch als Laure sieben Jahre später als Ehefrau des neuen amerikanischen Botschafters nach Paris zurückkehrt, holt sie ihre Vergangenheit durch ein Foto wieder ein, das Nicolas im Auftrag eines Klatschmagazins von ihr macht.
Femme Fatale ist das Dokument einer Flucht. Nicht nur Laure und Nicolas, der eigentlich nie mehr als Paparazzo arbeiten wollte, versuchen alles, um ihrer Vergangenheit zu entkommen, auch ihr Schöpfer selbst ist mit diesem Film einer Welt entflohen, die ihm weniger Möglichkeiten bieten wollte. Nachdem es für Brian De Palma in Hollywood immer schwieriger geworden war, seine Visionen zu realisieren, bot sich ihm Europa als Ausweg an. Hier konnte er seit Jahren zum ersten Mal wieder ein eigenes Drehbuch verfilmen und sich dabei kompromisslos seinen filmischen Obsessionen hingeben. So bricht er im Verlauf der Erzählung immer wieder mit den Konventionen des durch und durch standardisierten Hollywood-Kinos. Laures und Nicolas' Geschichte folgt nicht der Logik eines Genres, sie entsteht vielmehr Stückchen für Stückchen -- wie ein Puzzle oder auch wie eine riesige Fotocollage -- aus De Palmas einzigartigen Bildideen.
Schon mit seinem Titel führt De Palma einen bewusst auf die falsche Fährte. Femme Fatale ist kein Film Noir, auch wenn sich Laure gleich in der ersten Szene Billy Wilders Klassiker Frau ohne Gewissen ansieht. De Palma reagiert eher auf den Fatalismus und den Nihilismus dieser Filmgattung und stellt ihnen seine eigene Interpretation der Figur der Femme Fatale entgegen. So endet dieser überaus elegante Thriller, der als Dekonstruktion eines filmischen Mythos beginnt, schließlich als Glaubensbekenntnis eines Künstlers, der sich gegen die Ausweglosigkeit eines vorherbestimmten Schicksals auflehnt. Und ganz nebenbei beantwortet De Palma auch noch die von dem mexikanischen Filmemacher Alejandro González Iñárritu gestellte Frage, ob Gottes Licht uns nun führt oder blendet. --Sascha Westphal
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Blickpunkt: Film
'Viele meiner neuen Ideen stammen aus Träumen, in denen die eigenen Obsessionen regelmäßig auftauchen': Brian De Palma, der sich selbst als jemand mit viel Glück bezeichnet, hatte die Grundzüge des Drehbuchs zu 'Femme Fatale' vier Wochen nach seiner Ankunft in Paris im Kopf. Da wird ihm Billy Wilders Noir-Klassiker 'Frau ohne Gewissen' aus dem Jahre 1944 nachdrücklich herum gespukt haben, mit dem 'Femme Fatale' nun mit einem Kotau vor dem jüngst verstorbenen Meister anfängt. Raffiniert die Bildkomposition (Kamera: Thierry Arbogast) dieses Films vom ersten Moment an: der Wilder-Ausschnitt mit Barbara Stanwyck füllt die Leinwand, schwarz-weiß, und darin spiegelt sich in Farbe De Palmas Titeldarstellerin Rebecca Romijn-Stamos, eine Hitchcocksche kühle Blonde, die sich den alten Film im Fernsehen anschaut. Die Beziehung ist optisch hergestellt - 'Film ist eine Frage der Beobachtung', so De Palma, dessen Voyeurskünste hier hochstilisiert zur Geltung kommen und die Manipulierbarkeit der Bilder deutlich demonstrieren. Die Femme fatale ist eine eiskalte Profi-Betrügerin, die gleich am Anfang zu dem spektakulärsten Coup des Films ausholt. In einer knapp 20 Minuten dauernden Sequenz zu den ostinat intensiven Tönen von Ryuchi Sakamotos Variation des Ravel-'Bolero' verführt die kühle Blonde beim Festival in Cannes während einer Galavorstellung auf der Damentoilette des Palais die Begleiterin des Regisseurs Régis Wargnier. Kunstvoll lasziv entwendet sie dabei die diamantbesetzte massiv goldene Schlange - einziges, aber dafür millionenschweres Oberbekleidungsstück des halbnackten Starlets. Schauplatz dieser höchst elegant gefilmten und geradezu boleroesk montierten lesbischen Diebstahlsorgie ist eine todschicke, hypermoderne Damentoilette, wie sie so im Festivalpalais von Cannes nicht existiert. Dafür aber ist der Präsident des Festivals, Gilles Jacob, echt. Nach diesem grandiosen, virtuosen Auftakt trickst Laura, sie heißt beziehungsvoll wie Otto Premingers legendäre Noir-Titelheldin, ihre Auftraggeber aus, und De Palma inszeniert nun eine etwas fahrige Krimihandlung. Da fehlt auch nicht eines seiner Lieblingsmotive, wie beispielsweise das Double, die andere Identität, die die Hauptfigur Suspense-fördernd annimmt, thematisiert auch in seinem früheren Film 'Body Double'. Sie taucht für kurze Zeit als brave Bürgerstochter unter, begegnet einem Paparazzo-Fotografen, den Antonio Banderas routiniert und ein wenig ratlos spielt, und bekommt auf mysteriöse Weise einen Pass für die Flucht aus Frankreich, wohin sie dann sieben Jahre später wieder zurückkehrt, mittlerweile als Gattin des US-Botschafters (Peter Coyote) in Paris. Der Fotograf erkennt sie wieder, landet seinerseits einen Coup mit Titelseiten-Fotos von Laura und ruft die Polizei auf den Plan. 'Das Kino lügt, 24 Bilder pro Sekunde', sagt Brian De Palma in einem Interview, 'Man weiß nicht mehr, was wahr oder unwahr ist.' Und das ist das Schöne an 'Femme Fatale': eine irisierende, schillernde Bildersinfonie, die kaleidoskopartig, sogar mit Splitscreen-Sequenzen, in den Köpfen der Zuschauer zum Klingen kommt. fh.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Kurzbeschreibung
Beim Filmfestival in Cannes raubt die überaus hübsche Laura mit sehr perfiden Methoden den millionenschweren Schmuck eines Filmstars. Doch der perfekte Coup geht in letzter Minute schief. Während ihre Partner gefasst werden, entkommt sie mitsamt der Beute nach Amerika - dank der Hilfe eines ahnungslosen US-Ehepaars, das Laura für seine vermisste Tochter hält. Sieben Jahre später hat es Laura zur Frau des Pariser US-Botschafters gebracht und lebt nun unter dem Namen Lily ein neues Leben. Als ein Foto des Paparazzo Nicolas auf der Titelseite einer Illustrierten erscheint, ist die neue Identität der Diamanten-Diebin gefährdet. Die Vergangenheit holt die Lady wieder ein. Bald sieht sie sich von den ehemaligen Komplizen gejagt und von einem reumütig verliebten Fotografen verfolgt. Doch die "Femme fatale" hat einen teuflischen Plan...