Die Jahrtausendwende verlief musikalisch gesehen irgendwie unspektakulär, vor allem was die experimentelleren, nicht so Mainstream orientierten Musikstile anbelangt.Hin und wieder brauche ich eine Platte, in die ich mich richtig hineinsteigern kann, welche mich zu pausenlosen Ausstößen wie "Genial", "Phänomenal!","Ich liebe sie!" etc hinreissen läßt. In den Jahren vor 2000 waren das Platten von Roni Size, Goldie, Tricky, Lamb, Portishead,etc. Goldfrapps "Felt Mountain" ist so eine Platte,die dies vermag; doch sie mit den oben aufgeführten Artists zu vergleichen, käme ihr nicht gerecht. Elektronik steht meistens ganz im Hintergrund, die teils schrägen Geräusche werden teils akkustisch-instrumental, teils von der genialen Stimme Alisons hergestellt. Viele Elemente aus klassischer Musik, aber auch Folkore und nach Filmmusik Klingendes wurden zu einem vielschichtigen Klanggemälde gewoben. Hier und da ein paar elektronische Akzente..und diese Stimme!!! Himmlisch, schräg, cooool! Goldfrapp entführen in eine abgedriftete Traumwelt, manchmal glaubt man, in einem dieser alten Ganghofer Filme,die unsere Großeltern so liebten, gelandet zu sein, bis man sofort wieder durch die eigenwillige Komposition eines Besseren belehrt wird. Textlich driftet die Platte zeitweise ins Bizarre ab "..fascist baby...Utopia..." und auch das Gesamtdesign des Goldfrapp Werks kann nur als parodistisch-ironisch bewertet werden: Auf dem Cover der Vorab-Single "Lovely Head" im letzten Jahr ist - als Scherenschnitt-Bild- ein Mädchen zu sehen,das in von Rehen bewanderter Naturidylle den Kopf des Geliebten umherträgt. Nach jahrelangen -zwar mir positiv aufgefallenen- aber dennoch recht unspektakulären Gastauftritten auf den Platten anderer, wer hätte da so einen genialen Auftritt in eigener Sache von Alison Goldfrapp erwartet. Wahrscheinlich musste sie in Will Gregory erst ihr musikalisches Pendant finden. Es war jedenfalls mindestens fünf Jahre überfällig! Ich bin sehr gespannt was in den nächsten Jahren noch so kommen wird!!!