Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fellinis Casanova, 15. Dezember 2005
Mehr als 4000 Seiten umfasst die Autobiographie Casanovas (1725-1798), in welcher der Autor ein brilliant erzähltes Zeugnis seines bewegten Lebens und seines Zeitalters ablegt. Fellinis Film dauert (in der hier ungekürzten Fassung) 148 Minuten und kann daher natürlich nur bruchstückhaft die markantesten Episoden aus C.s Leben widerspiegeln (wie übrigens alle C.-Verfilmungen). Die Handlung des Films folgt dabei nicht wirklich einem roten Faden, sondern stilisiert und rafft die Episoden sehr stark; auch nimmt es Fellini mit der vorlagengetreuen Umsetzung nicht so ganz genau, was der Erzählung aber nicht schadet. Schließt sich hinter C. gerade erst die Kerkertür, er ist er auch schon im nächsten Augenblick wieder auf freiem Fuß (tatsächlich verbrachte er 15 Monate unter den venezianischen Bleikammern, bis ihm die berüchtigte Flucht gelangte, deren Geschichte er später auch veröffentlichte). Fellini liegt es nicht daran, C.s Leben biographisch genau zu verfilmen oder nur einen bunten Kostümfilm zu drehen, sondern er setzt sich mit der Person C. sehr psychologisch auseinander. Er zeigt die Hauptfigur sehr überzeichnet als ruhelosen, von seiner Leidenschaft getriebenen Mann, der nirgends zu Hause ist und dessen Ruf des Womanizers schon lange vor ihm eintrifft, wenn er sich in eine andere Stadt begibt. Vergeblich bemüht er sich um Anerkennung als Schriftsteller und Philosoph bei den Edlen und Adligen, doch kann er letztlich nur mit seiner Potenz punkten. Bezeichnend das Ende, wo er als Greis beim Rezitieren seines geliebten Ariost von allen ausgelacht wird. Interessant die bei jedem Geschlechtsakt erscheinende Figur des mechanischen goldenen Vogels, der den Liebesakt als eine Art immer wiederkehrenden Automatismus symbolisiert, den er in einem hölzernen Kasten mit sich herumträgt und dessen höriges Opfer C. ist. Interessant auch die anderen Figuren des Films. Fast alle wirken wie Karikaturen (obwohl es die okkulte Mme d'Urfe tatsächlich gab). Man darf durchaus annehmen, dass es derartige "Freaks" im Europa des 18. Jhrt. zuhauf gegeben hat; dies kann man aus C.s Memoiren entnehmen. Am Ende seines Lebens ist C. schliesslich ein einsamer und verbitterter Mann, Ausgestossener seiner Vaterstadt Venedig, der sein Zeitalter überlebt hat (die französische Revolution schlägt dem Ancien Regime buchstäblich den Kopf ab) und nur noch von den Erinnerungen lebt. Die letzte Szene zeigt dann auch eine Traumsequenz, in der er wieder in Venedig auf dem Eis des zugefroren(!) Canale Grande mit einer mechanischen Frauenpuppe tanzt, die wahrscheinlich alle vergangenen Liebschaften seines Lebens in sich vereint symbolisiert. Der Film besitzt seine eigene Magie und vermittelt eine sehr melancholische und bedrückende Stimmung, die sich mit zunehmendem Alter Casanovas fortschreitend verdichtet und durch die kongenieale Musik von Nino Rota exzellent transportiert wird. Dazwischen tauchen aber immer wieder skurile und witzige Elemente in Form von Ereignissen und Personen auf (der exzentrische homosexuelle DuBois, die starke Riesenfrau im Zirkus, der Sex-Wettstreit, die Reinkarnationsprozedur Mme d'Urfes, die Dame, die andauernd in Ohnmacht fällt und jedesmal erneut zur Ader gelassen wird, u.a.). Die verschiedenen Nationen (Italien, Frankreich, England und besonders Deutschland) bekommen ihr Fett weg. Oft bekommt der Film theaterhaften Charakter, etwa indem gemalte Hintergrundkulissen auftauchen und Meereswellen mit Kunstnebel und Plastikfolie dargestellt werden. Dies nicht etwa, weil Fellini das nötige Geld fehlte, sondern weil er es als Stilmittel perfekt in der Szene einzusetzen wusste. Welcher Filmregisseur würde dies heute noch tun? Donald Sutherland hat sicher durch zahlreiche andere Filme Berühmtheit erlangt, er war aber wahrscheinlich nie besser als in dieser besten aller Casanova-Verfilmungen, die es nun endlich doch auf DVD geschafft hat und die man immer wieder ansehen kann. Deren Bild- und Tonqualität ist übrigens Arthaus-gemäß gut, wenn auch der Ton nur in Mono vorliegt (4 Sprachen). Erwähnenswert ist vielleicht, dass der Farbkontrast etwas stärker als normal ist, was wahrscheinlich in der damaligen Umsetzung begründet liegt, da die kräftigen Farben die Philosophie dieses Films angenehm untermalen.Also eine klare Kaufempfehlung von mir, aber Liebhabern von Fellini oder 'Casanovisten' muss man nicht erst lange bitten...
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Giacomo!! Endlich!!, 4. Dezember 2005
Von Ein Kunde
Das Meer ist aus Plastikfolien und man sieht die Schnur, woran der Mond aufgehängt ist, manchmal auch die Klebestellen an Donald Sutherlands künstlichem Kinn. Trotzdem - und auch deshalb, denn es passt perfekt, Realismus ist hier niemandes Ziel – ist diese grausig-schöne Casanova-Romanze für mich einer der wunderbarsten Filme, die je gedreht wurden. Was Fellini in seinem Hass auf seinen Helden da zusammenfantasiert und in Bilder gefasst hat, muss man gesehen haben; und in all seiner Künstlichkeit, Absurdität und hocherotischen Anti-Erotik ist es für mich einer der "wahrsten" Filme über das 18. Jahrhundert überhaupt. Jede einzelne Szene möchte ich vergolden und über mein Bett hängen. Es wurde wirklich allerhöchste Zeit, dass dieser Film – "Kult" ist ein viel zu fades Wort dafür – endlich restauriert wurde und auf DVD erhältlich ist. Ich wurde es allmählich leid, immer nur den Soundtrack zu hören und davon zu träumen! (Das Bild erscheint mir eine Spur zu grobkörnig auf der DVD, die Farben sind aber sehr schön)
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25 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Amore, amore....., 25. November 2008
Wer war Casanova?
Der in Venedig geborene Schriftsteller und Abenteuer Giacomo Casanova(1725-1798) führte nach seinem Theologie- und Jurastudium in Padua ein Wanderleben, bereiste als Diplomat ganz Europa und stand in Verbindung mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten, wie Voltaire und Friedrich dem Großen. Er wurde 1755 in Venedig wegen Atheismus eingekerkert aber es gelang ihm die Flucht aus den Bleikammern. Ab 1785 war er Bibliothekar des Grafen Waldstein auf Schloss Dux in Böhmen. Dort schrieb er seine sechsbändigen Memoiren in französischer Sprache. " Histoire de ma vie". Die Memoiren gehören zu den kulturgeschichtlich bedeutendsten Quellenwerken des 18. Jahrhunderts, nicht zuletzt weil Casanova ein ausgezeichneter Beobachter und Menschenkenner war und großes Erzähltalent besaß. Er hinterließ neben einem utopischen Roman auch historische, mathematische und satirische Schriften. Legendär war er als galanter Liebhaber in der galanten Zeit des Rokoko. Wie kein zweiter vermochte er Frauen zu amüsieren und sie durch seinen unnachahmlichen Charme zu verführen.
Der Regisseur Fellini verfremdet die Figur des Frauenverführers aus Venedig im vorliegenden Film in einer Weise, dass von ihm am Ende nur noch die Karikatur eines überanstrengten Rammlers übrig bleibt.
Casanovas Bemühungen als Intellektueller beachtet zu werden fruchten nicht.
Meines Erachtens ist es nicht Fellinis Absicht Casanova (Donald Sutherland) auf die Rolle eines Sexbesessenen festzulegen, sondern er möchte zeigen, dass viele Leute in den letzten Jahrhunderten bloß ihre Wünsche auf ihn projizierten und am Ende der Name dieses Mannes gleichbedeutend war mit dem eines Zuchtbullen. Mit dieser Vorstellung räumt Fellini auf und amüsiert sich auf Kosten dieses Urbildes des " Latin Lovers ".
Man sieht Casanova beim fiktiven Beischlaf, sich ewig abmühend und beinahe kollabierend pausenlos " amore, amore" röcheln.
Man kann ihn dabei beobachten, wie er eine nackte Riesin beim Baden in der Wanne beäugt. Die Riesin singt ein trauriges Volkslied. Zwei Liliputaner baden mit ihr in besagter Wanne und bestaunen während ihres schrillen Gesangs ihre gewaltigen, nackten Brüste. Casanova ist überwältigt von dieser Über-Mutter, durch die sexuelle Wünsche bei ihm freilich mental außer Kraft gesetzt werden.
Er nimmt in diesem Film an einem Wettkampf teil, wo es darum geht festzustellen, wer die stärkste Promiskuität besitzt. Er schafft es auf sieben Orgasmen, nachdem er zuvor unzählige rohe Eier verspeist hat. Die Frau, an der er sich abturnt, zeigt allerdings keinerlei Regung.
Ein solcher Liebhaber ist alles andere als begehrenswert.
Für Casanova sind die Frauen ein Mysterium. Er findet generell keinen emotionalen Zugang zu ihnen. Ihm bleibt immer nur die Penetration. So treibt ihn die Sehnsucht von einer Frau zur nächsten.
Fellinis Casanova ist ein armer, unter sexuellem Leistungsdruck stehender Teufel, den man als Frau nicht Ernst nehmen kann.
Das hier visualisierte Rokoko- Zeitalter ist an Verkünstelung nicht zu überbieten.
Die Kostüme und die Raumausstattung sind mehr als nur beachtlich.
Der gesamte Film erscheint wie ein Bühnenstück.
Eine Reihe von Requisiten wird als darstellerisches Surrogat eingesetzt.
Die Musik ist gewöhnungsbedürftig, aber sie passt zu dieser surrealen Inszenierung.
Ich habe bereits diverse Casanova-Verfilmungen gesehen. Die witzigste war jene, die den alternden Casanova zum Thema hat, von Delon hervorragend gemimt.
Optisch kommt Donald Sutherland Casanova am nächsten. Er spielt die komplizierte Filmrolle wirklich exzellent.
Als sexuelle Frauenfantasie kann Fellinis Casanova nicht herhalten. Von einem solchen Mann kann man nicht träumen. Das ist ganz unmöglich.
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