Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie schon Hitchcock, stellt auch Atom Egoyan das Familienleben als potentielle Brutstätte von Gewalt und Inzest sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinne dar.
In Felicia - Mein Engel, Egoyans Adaption des niederschmetternden Romans von William Trevor, wagt man es kaum, sich vorzustellen, was die TV-Köchin und Mutter (Arsinée Khanjian) ihrem pummeligen Sohn Hilditch angetan haben muss, dass dieser noch als Erwachsener (Bob Hoskins) seine Mahlzeiten völlig synchron zu uralten Aufzeichnungen der Show seiner Mutter zubereitet. Häufig plagen ihn düstere Erinnerungen. Entfernt verwandt mit Anthony Perkins aus Psycho, ist Hoskins Figur so obsessiv, so traumatisiert, dass jede einzelne seiner kurzarmigen und fetthändigen Gesten und Singsang-Stammeleien präzise kalkuliert ist, damit die Realität sicher begraben bleibt.
Egoyans Filme scheinen häufig unter Wasser zu spielen, in einer surrealen Traumlandschaft, in der der Atem gelegentlich aussetzt, während der Horror langsam unter die Haut kriecht. Hilflos, wie festgenagelt, beobachtet man die Charaktere, wie sie unaufhaltsam auf verminte Kreuzungen zusteuern, an denen Leben und Seelen verloren gehen oder erlöst werden. Als sich Hilditchs Wege mit denen der jungen schwangeren Felicia (Elaine Cassidy) kreuzen -- einer unschuldigen Irin auf der Suche nach ihrem untreuen Freund -- nimmt die Begegnung einen fürchterlichen Verlauf. Das Problem ist, dass der verschrobene Hilditch und die viel zu naive Felicia in Sachen psychologischer Komplexität ein wenig zu kurz gekommen sind, so dass am Ende des Films aufschlussreiche Pointen weitgehend ausbleiben.
Felicia bewegt sich hauptsächlich auf bekanntem Egoyan-Terrain -- industrielle Einöden voller hungriger Herzen --, doch Egoyans neuestes Märchen (man stelle sich eine pervertierte Variation von "Hänsel und Gretel" vor) spielt leider nicht ganz in der selben Liga wie die Familienidyll-Meisterwerke Exotica und Das süße Jenseits. --Kathleen Murphy
Video Jakob Kurzinhalt
Felicia aus der irischen Provinz erwartet ein Kind von John. Dieser ist aber ohne eine Adresse zu hinterlassen nach Großbritannien abgehauen. Sie macht sich auf den Weg, ihn zu finden und sucht verzweifelt nach der Rasenmäherfabrik, in der er arbeiten soll. Ein freundlicher, älterer Herr nimmt sich ihrer an und hilft ihr bei der Suche.
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Die junge Irin Felicia reist, von ihrem Vater verstoßen, nach Birmingham, um ihren Freund John, von dem sie schwanger ist, zu suchen. Doch die Rasenmäherfabrik, in der er arbeiten soll, findet sie nicht. Stattdessen macht sie die Bekanntschaft von Hilditch, einem freundlichen, älteren Herrn, der in einer Werkskantine als Küchenchef arbeitet. Je länger die (vergebliche) Suche nach dem Freund andauert, desto merkwürdiger entwickelt sich die Beziehung zwischen den beiden einsamen Kreaturen, die letztlich ein unerwartetes Ende finden wird.
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Gekonnte Mixtur aus atmosphärischem Thriller und detailgenauer Psychostudie, in der der kanadische Ausnahme-Regisseur Atom Egoyan wie schon in "Das süße Jenseits" verzweifelte Seelen auf der Suche nach Erlösung ins Zentrum seiner vielschichtigen Handlung stellt. Die visuell bestechend durchkomponierte Romanverfilmung nach William Trevor bietet zudem mit dem britischen Kino-Veteran Bob Hoskins und Entdeckung Elaine Cassidy zwei erstklassige Darsteller. Die auf Festivals viel beachtete Studie, mit zahlreichen Rückblenden höchst kompliziert erzählt, ist bei Liebhabern anspruchsvoller Filmkunst hervorragend aufgehoben.
Blickpunkt: Film
Bob Hoskins spielt den netten, übergewichtigen Kantinenleiter Mr. Hilditch, der vorgibt, einer kleinen, schwangeren Irin bei der Suche nach ihrem Freund zu helfen. Tatsächlich hat er früher schon anderen Mädchen geholfen - und sie ermordet. Atom Egoyans ("Das süße Jenseits") subtile Verfilmung des Bestsellers von William Trevor.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Melancholischer Film von Atom Egoyan um zwei gestrandete Seelen, deren eine sich als Serienkiller entpuppt.
Kurzbeschreibung
Durch den Rückspiegel beobachtet Kantinenwirt Hilditch verstohlen das junge irische Mädchen: Felicia ist in England auf der Suche nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. Hilditch könnte ihr helfen, wie er schon vielen verlorenen Mädchen vor ihr geholfen hat.
Er gibt ihnen ein zu Hause, stellt Nachforschungen an, tröstet sie und macht sie abhängig von seiner Güte - und er tut alles, damit sie sein Haus nie wieder verlassen. Langsam startet er den Wagen und fährt ihr nach...
dvdcheck.de, 11. September 2000
"Felicia, mein Engel" hat schon wirklich etwas faszinierendes, etwas schreckliches, terrorisierendes und doch nicht gleich greifbares. Und das ist es auch, was den Film bzw. die Geschichte auszeichnet. Dieser Terror, der nicht durch Schockeffekte, Blut und sonst übliche Elemente entsteht, erzeugt eine sehr spannende, etwas paranoide Stimmung. Eine Atmosphäre wie sie zu vergleichen ist mit Stephen King Werken, z.B. "Misery". Doch grenzt sich Egoyans Werk angenehm dazu ab und steht als sehr eigenes Werk da. Insbesondere durch die guten darstellerischen Leistungen gewinnt die Geschichte an Authentizität. Ferner spielt sich der Streifen recht gewaltfrei ab, was auch zur Glaubwürdigkeit beiträgt und den "Horror" noch etwas steigert. Die wunderbare musikalische Untermalung steigert die Angst, die beim Zuschauer im späteren Verlauf für Felicia entsteht. Ein sehr ruhiger aber geladener Thriller mit einer sehr gespannten Atmosphäre. Sehenswert.
Produktbeschreibungen
Durch den Rückspiegel beobachtet Kantinenwirt Hilditch verstohlen das junge irische Mädchen: Felicia ist in England auf der Suche nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. Hilditch könnte ihr helfen, wie er schon vielen verlorenen Mädchen vor ihr geholfen hat.
Er gibt ihnen ein Zuhause, stellt Nachforschungen an, tröstet sie und macht sie abhängig von seiner Güte - und er tut alles, damit sie sein Haus nie