Auf das Buch bin ich durch eine Literaturempfehlung durch die Medien aufmerksam geworden.Neugierig wurde ich durch die dort abgegebenen positiven Kritiken, durch meine Unkenntnis ukrainischer Literatur und durch den ungewöhnlichen Namen. Schon nach wenigen Seiten musste ich feststellen, dass das Buch nicht so meinen Geschmack getroffen hatte. Da ich mich nicht von den ersten Seiten abschrecken lassen wollte, laß ich weiter bis Seite 120(von 173Seiten). Doch es wurde nicht besser, eher noch verworrener und langweiliger, so daß ich das Buch vorzeitig weglegte, um mich besserer Literatur widmen zu können. Die Autorin ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben, mit ihrer Kindheit, ihrem Mann, ihrer Ehe und dem angeblich unzureichenden Ansehen ukrainischer Literatur in der Welt. Kurz vor ihrem scheinbaren Selbstmord zieht sie eine Bilanz ihres Lebens, in dem sie alles anprangert und niedermacht, was angeblich ihr Leben zerstört hat. Diese Bilanz packt sie in eine Art Vortrag und redet die Leser permanent mit Ladies and Gentlemen an. Ihre teilweise sehr vulgär geschilterte Wut auf die negativen Faktoren in ihrem Leben, wobei ihr Mann scheinbar der größte davon ist, verpackt sie in endlosen Schachtelsätzen, die oft sehr schwer zu durchleuchten sind, und die schon mal locker über eine Seite gehen können.Ich will an dieser Stelle nur einen Satz als Beisiel geben:Das ist kein Thema,Ladies und Gentlemen,meine Damen und Herren,ich bitte um Verzeihung,wenn ich Ihnen Ihre Zeit raube,mir fällt es nicht leicht,über all das zu sprechen,zudem bin ich tatsächlich schwer krank,in meinem gehetzten,ausgezehrten-und um nicht mit Euphenismen zu spielen-,schlicht vergewaltigten Körper hört schon seit zwei Monaten das tief aus dem Inneren kommende Zittern nicht mehr auf,besonders schlimm und Übelkeit hervorrufend im Unterleib,wo ich die ganze Zeit ein drüclkendes,hämmerndes Pulsieren fühle,und wenn ich die Finger spreize, beginnen diese auf der Stelle ein Eigenleben zu führen,jeder bewegt sich für sich,als würde daran an getrennten Scfhnüren in verschiedenen Rhythmen gezogen,ganz zu schweigen von den wie bei einer Pubertierenden aufgequollenen rosaroten Pickeln,die im Gesicht und auf den Schultern zu blühen beginnen,und es gibt kein Heilmittel,der unglückliche Körper ist noch lebendig,fordert sein Recht,vergeht vor elementarem sexuellen Hunger,und vielleicht würde er auch heil werden und wie ein Hase zu springen anfangen,würde man ihn ausreichend bumsen,aber leider ist das Problem nicht so leicht zu lösen,vor allem wenn du mutterseelenallein in einem fremden Land bist,in einer fremden Stadt,einer leeren Wohnung,wo das Telefon nur zum Leben erwacht,um dir eine ko-lo-sa-le Preisermäßigung auf das Abonnement der Stadtzeitung-ein seltener Glücksfall,nur in dieser Woche!-anzubieten,und von wo du dich drei mal in der woche zur Universität schleppst,wo dir ein halbes Duzend adrett gekleideter,sauber gewaschener und desorientierter amerikanischer Jugendlicher in weißen Söckchen und Laufschuhen,mit gesunden Zähnen und gesunder,junger Haut,mit Augen wie die von Aquariumfischen folgt,während du im Auditorium auf und ab läufst,wobei sie still und leise etwas-Gott allein weiß,was!-in ihre Hefte kritzeln,und dich selbst in Schwung bringst(denn du musst es ja irgendwie eineinviertel Stunden durchhalten)-...... Der Satz ist hier noch lange nicht zu Ende und einen tieferen Sinn dabei erkenne ich auch nicht.In diesem oder ähnlichem Stil ist das gesamte Buch aufgebaut. Das die Autorin vielleicht ein weniger schönes Leben hatte mag ja stimmen, das ich mir auf 173 Seiten ihr Leid in dieser Art und Weise zu Gemüte führen muss ist etwas anderes.
Schade um die 19 Euro.