Pressestimmen
Dietlind Wünsches lesenswerte und sehr gelungene Studie ist nicht nur für militärhistorich Interessierte eine Bereicherung. Sie demonstriert, wie deutsche Soldaten ihren Auslandseinsatz erfuhren, welchen Sinn sie ihm gaben und wie sehr das alles von den kulturellen Mustern beeinflusst oder vorgeprägt war, in denen sie sozialisiert waren. Marcus Sonntag, H-Soz-u-Kult, 24.2.09
Kurzbeschreibung
In den Jahren 1900 / 1901 beteiligten sich mehr als 22 000 deutsche Soldaten an Strafaktionen nach der Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstands. Was in den Köpfen der Teilnehmer an diesem Kolonialkrieg in China vorging, untersucht Dietlind Wünsche in der vorliegenden Studie. Ausgehend von einem mentalitätsgeschichtlichen Ansatz analysiert sie bislang weitgehend unbekannte und in der historischen Forschung daher nicht berücksichtigte Briefe und Brieftagebücher, die Angehörige des »Ostasiatischen Expeditionskorps« unmittelbar vor und während ihres China-Einsatzes an ihre Familien schrieben. Das ermöglicht zum einen eine fast lückenlose Rekonstruktion des Vorgehens der Soldaten an der Kriegsfront. Zum anderen geben die Quellen in ihrer distanzlosen Privatheit einen subtilen Einblick in zeit- und schichtenspezifische Wahrnehmungsweisen, Handlungsmuster und Denkbilder der deutschen Soldaten. Es zeigt sich, dass die Soldaten bei aller Beeinflussung durch die wilhelminische Propaganda durchaus eigene Ansichten zur Legitimation ihres Verhaltens entwickelten, während die tradierten Vorurteile gegenüber der chinesischen Bevölkerung höchstens ansatzweise und in Einzelfällen modifiziert wurden.