Dieses Buch will nicht gelesen werden, es will bearbeitet werden. Es ist nur etwas für erfahrene Reiter. Wer glaubt, hier eine Reitlehre in den Händen zu halten, die Tips und Anweisungen zur Erlernung der feinen Reiterei gibt, der irrt. Hier wird erhebliches Wissen voraus gesetzt. Wer über Erfahrungen verfügt, dem sei es ans Herz gelegt. Hier und da finden sich noch Tips versteckt. Leider besteht das Buch zum größten Teil aus einer Abrechnung zwischen den Reitweisen. WIR deutsche schneiden bemerkenswert schlecht ab. Der Autor vergißßt oder verdrängt völlig die Entstehung der deutschen Reitweies und deren Gebrauch. In recht arroganter Weise wird sie denunziert. Liest man das Buch kritisch, und das ist sehr zu empfehlen, stellt man fest - auch die Franzosen der heutigen Zeit liegen gerne daneben. Hier wird z.B. der Sitz sehr eigenwillig beschrieben. Auch die Einwirkungen sind interessant. Der Autor läßt die Zügel durch die Hand gleiten, um nachzugeben... sehr fein und sehr sinnvoll. Dann erfolgt eine feines Zurückgreifen ohne Störungen im Pferdemaul? ... auch die Traversalen reitet er etwas anders... er vertritt die Meinung, gegen die Bewegung setzen. Nur wer sich gegen die Bewegungsrichtung setzt kann das Pferd biegen...Das Pferd wölbe sich gegen die Gewichtsbelastung... er schreibt aber weiter, die meisten Pferde gehen gehemmt in der Tarversale... woran das wohl liegt. Es erscheint einem manchmal, als würde er abrechnen wollen. Gut, die Franzosen bringen wahrlich nicht viel ein in die internationalen Richtlinien... muß man den Frust so abschreiben? Das Buch ist aber eine interessante Ausarbeitung der Baucher´schen Manieren, welche oft falsch verstanden werden. Es lohn sich also, dieses Buch zu lesen. Für Anfänger und Reiter, die ihren Weg noch nicht gefunden haben, ist dieses Buch allerdings ungeeignet. Es ist aber eine Bereicherung für Fortgeschrittene Reiter. Es finden sich immer Anregungen in den Kapiteln. Und für die heutige Reiterei ist das immer Hilfreich. der Autor lässt nämlich- wie so Viele die Gegebenheiten der heutigen Zeit ausser Acht. Die Pferde gehen anders, sind anders gezüchtet und können nicht immer so gehen wie es die Klassische Reitwese verlangt.
Die Einhaltung des Grundgedanken der jeweiligen Reitweise und die Offenheit zu Neuem ist das Entscheidene. Das Lavieren zwischen dem Festgeschriebeben- das macht das Feine Reiten aus, das ist die Kunst. Und Kunst kommt von Können... Dieses Buch vergrößert den Horizont dafür. Kritisches Auseinandersetzen beinhaltet das Durchdenken des geschriebenen. Das gelingt dem Autor. Es regt an. Dann fällt einem auf, mit welcher Hingabe er diese Zeilen ausgearbeitet hat. Mit welchem Aufwand er es belegt. Er lebt seinen Sichtweise. Und da kommt das Wesentliche- es gibt nicht DIE Reitweies. Jeder hat seinen Weg gefunden. Dieses Buch ist ein Stein von diesem Weg- Glückwunsch und danke...