1979 begann eine gut 10 Jahre währende Phase, in der Georg Danzer fast ausschließlich hochdeutsches Material veröffentlichte. Er verstand sich offenbar zunehmend als "politischer Liedermacher", als Sprachrohr der "Kritischen" seiner -und der nachfolgenden- Generation, die sich gegen atomare Hochrüstung, gegen Überwachungsstaat und später auch zunehmend gegen das Leben in einer Wegwerf- und Wohlstandsgesellschaft auf Kosten der Natur und der Dritten Welt stellten. Damit war aber nun der gesamte deutsche Sprachraum seine potenzielle Zielgruppe geworden, so dass er und/oder sein Management das lokale Wiener Idiom wohl als Hindernis im Bemühen um maximalen Erfolg/Marktzugang sah - eine durchaus verständliche und legitime Sichtweise, wenn auch z. B. das Kölschrock-Phänomen BAP bald beweisen sollte, dass es auch anders funktionieren kann.
Georg Danzer sollte schließlich zu einer der bedeutendsten Gallionsfiguren der Anti-Atomkraft- und Friedensbewegungen werden, die ab ca. 1980 einen enormen Zulauf erlebten und schließlich eine jahrzehntelange Entwicklung anstießen, die u. a. "grüne Politik" zu einer festen Größe -auch innerhalb der Volksparteien beider Lager- machen sollte.
Nun konkret zu dieser Scheibe:
Er beweist hier, dass er auch in der hochdeutschen Sprache politische / gesellschaftliche Themen so präzise und lebensecht in Worte fassen kann, dass es ehrlich, emotional packend und einprägsam beim Hörer ankommt. Die Titel "Feine Leute" (herrlich ätzender Text, recht fetzig rockend vertont), "Wir werden alle überwacht", das dichterisch brilliante "Die Freiheit" sowie das scheinbar lakonisch/emotionslos abgefasste und vielleicht gerade dadurch besonders nachdenklich machende "10 kleine Fixer" repräsentieren diese Seite - und zwar allesamt auf höchstem Niveau!
Weiterhin ist es ihm gelungen, den bei ihm schon traditionellen "humorvollen Part" auch in Hochdeutsch (recht) überzeugend darzubringen. "Tequila", "Pornografie" (wenn auch sicher nicht wirklich reflektiert und zu Ende gedacht, aber sei's drum) und der "Sexi-Exi" zeigen diese Seite. Sie bewegen sich aber meiner Meinung nach nur knapp auf 4-Sterne-Niveau, da sie einfach nicht an Mundart-Perlen wie z. B. den "Frauenmörder Wurm" heranreichen.
Die größte Entwicklung als "Schriftdeutsch-Texter" ist Georg Danzer aber im Bereich individueller Befindlichkeiten / Beziehungen gelungen. Die Ausnahmestücke "Ende" (es thematisiert immerhin den Tod der eigenen Mutter) und "Liebe - Liebe" (über eine "erstarrte/erkaltete" Beziehung) gehen so unmittelbar unter die Haut, dass es auch im wienerischen Dialekt unmöglich zu übertreffen gewesen wäre. Das letztgenannte Stück ist eines von der Sorte, zu denen man sich sofort passende Filmszenen / Örtlichkeiten / Schauspieler vorstellen kann - diese Art von "Kopf-Kino" stellt sich wohl nur ein, wenn Text, Gesang und Musik in ihrem Zusammenwirken wahrhaft große Kunst ergeben!
Sehr schön finde ich auch das instrumentale "Anfang", eine wunderbare Ouvertüre dieses Albums.
2 "überirdische" und 4 weitere 5-Sterne-Stücke ergeben insgesamt locker die Höchstbewertung, so dass ich dieses Album auf jeden Fall mit dem Prädikat "unverzichtbar" versehen möchte (...wie -zugegebenermaßen- sehr viele weitere Danzer-Alben...)