Joseph Hansen gewährt in seinem dritten Krimi mit dem sympathischen, schwulen Detektiv Dave Brandstetter einmal mehr Einblicke in die amerikanische Schwulenszene Anfang der Siebziger Jahre. Die sind nicht immer freundlich: Ironisch beschreibt er etwa die Vorbereitungen und den Hergang eines schwulen Schönheitswettbewerb, der genau so platt und klischeehaft abläuft, wie wir es von heterosexuellen Miss-Wahlen gewöhnt sind. Junge Asiaten strippen vor einer gröhlenden Menge von Männern in Rüschenhemden. Ein pummeliger Glatzkopf stimmt, begleitet von einer elektrischen Orgel, "The Lord's Prayer" an.
Hansen nimmt den Schwulen den vermeintlichen Glanz des Exotischen und Außergewöhnlichen und stellt sie als das dar, was sie sind: Nicht besser oder schlechter als die heterosexuelle Mehrheit. Seine Kritik an der Oberflächlichkeit der schwulen Szene kommt auf leisen Sohlen daher, angereichert mit trockenem Humor und einem spannenden Krimiplot. Die Figur des melancholischen und alternden Detektivs verleiht ihr Glaubhaftigkeit. Zwar ist "Feindschaftsdienst" ein etwas schwächerer Roman aus der Brandstetter-Reihe, aber Hansens klare Sprache, der spröde Charme seines Heldens und nicht zuletzt seine Fähigkeit, einen spannenende Geschichte zu erzählen, machen ihn allemal lesenswert!